Stadt Unna - Eine Zwischenbilanz

Die Kreisstadt Unna, am östlichen Rand des Ruhrgebietes im Übergang zum Sauerland gelegen, zählt rund 67.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Lage am Hellweg, einer alten Handels- und Heerstraße, hat die Stadt in der Vergangenheit reich gemacht. Heute ist sie ein bedeutender Verkehrs- und Wirtschaftsknotenpunkt in Westfalen mit zahlreichen großen Dienstleistungs-, Großhandels- und Logistikunternehmen. In den letzten Jahren erlebte Unna eine steile Aufwärtsentwicklung, Arbeitsplatzangebote und Einwohnerzahl sind ständig gewachsen. Die Stadtentwicklungspolitik ist auf eine zielstrebige Weiterentwicklung ausgerichtet, ohne dabei die historischen Wurzeln zu vergessen. Damit die Stadt ihren besonderen Reiz behält, wurde die Innenstadt Ende der 80er Jahre flächenhaft verkehrsberuhigt. Ziel ist eine neue Verkehrskultur mit einem starken Umweltverbund. Dabei kommt dem Fahrrad seit Jahren eine besondere Bedeutung zu.

Mobilitätsportal der Kreisstadt Unna

 

Hier finden Sie sämtliche Informationen zur Mobilität in Unna - egal ob mit Fahrrad, Bus und Bahn oder zu Fuß.

Planungsgeschichte und Zielvorstellungen

Auf der Grundlage eines Radwegenetzplanes für das Stadtgebiet Unna entstand bereits Ende der 70er Jahre die erste Radverkehrsanlage, die aus dem 1978 eingerichteten Radwegesonderprogramm zur Förderung des kommunalen Radwegebaus in Nordrhein-Westfalen finanziert wurde. Eine flächendeckende und systematische Radverkehrsförderung begann in Unna Anfang der 80er Jahre und erhielt durch die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden im Jahr 1993 einen kräftigen Schub.

Grundlage für die Förderung des Radverkehrs ist der 1991 beschlossene Verkehrsentwicklungsplan. Dieses integrierte Konzept zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in der Gesamtstadt zielt auf eine umweltschonende, stadt- und wohnumfeld-verträgliche Verkehrsabwicklung. Aus dem VEP entwickelten die städtischen Verkehrsplaner ein Handlungsprogramm.

An der Umsetzung dieses Programmes arbeitet seit 1992 der Arbeitskreis "Fahrradfreundliche Stadt Unna" - ein runder "Rad/t-Tisch", an dem Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, aller im Rat vertretenen Fraktionen, der Polizei, des ADFC und viele andere an der Radverkehrsförderung in Unna Beteiligte sitzen. Zu den wichtigsten Aufgaben des Arbeitskreises gehört es, den für den Radverkehr zuständigen Ausschuß für Bauen und Verkehr zu beraten. Besonders wichtig ist die intensive und engagierte Mitarbeit des örtlichen ADFC. Um die Kooperation zu verbessern und gemeinsam eine umweltgerechte Verkehrspolitik mit gezielter Fahrradförderung zu forcieren, ist die Stadt Unna seit 1992 Mitglied im ADFC.

Örtliche Handlungsschwerpunkte

In Unna haben sich die Bedingungen für Radfahrerinnen und Radfahrer in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Die Stadt hat dabei folgende Schwerpunkte gesetzt:

Netzschlüsse im Radwegenetz

Das Radverkehrsnetz ist durch umfangreiche infrastrukturelle Maßnahmen und Netzschlüsse inzwischen nahezu vollständig.

Schon zu Beginn der 90er Jahre wurden im Innenstadtbereich alle Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet. Seitdem ist der Stadtkern für den Radverkehr in allen Richtungen durchgängig befahrbar. Große Teile der Fußgängerzone sind für das Radfahren freigegeben, um auch im Stadtkern ein geschlossenes Radwegenetz anbieten zu können.

Ein herausragendes Projekt ist der Umbau der Radfahrer- und Fußgängerunterführung an der Husemannstraße: Eine dunkle, unfreundliche Bahnunterführung mit steilen Treppen und fehlender Einsichtmöglichkeit war den Verkehrsplanern lange Zeit ein Dorn im Auge. Nach dem Abriß der alten Treppenhäuser entstanden fahrrad-, kinder-wagen- und behindertenfreundliche Rampen und eine neue komfortable Treppenanlage. Im Tunnel selbst sind Bilder von Unnaer Künstlern in einer regelmäßig wech--selnden Ausstellung in Form einer sogenannten Tunnelgalerie zu bestaunen. Die Neugestaltung der Unterführung an der Husemannstraße ist ein wichtiger Baustein zur Komplettierung des Radwegenetzes und zur Erhöhung der Verkehrssicherheit für den Radverkehr.

Mit einem neuen Radweg "Auf dem Höing" konnte eine sichere Radverbindung zwischen den östlichen Stadtgebieten und dem Bereich um Stadthalle, Eissporthalle und Schulzentrum Nord verwirklicht werden. Eine weitere Route zwischen den östlichen Stadtteilen und der Innenstadt ist zur Zeit in Planung.

Darüber hinaus wurden durch zahlreiche punktuelle Maßnahmen mit geringem finanziellen Aufwand Netzschlüsse im Radwegenetz realisiert, die zu einer größeren Effektivität der bestehenden Verbindungen beigetragen haben. Durch die flächendeckende Verkehrsberuhigung in der Innenstadt und die Einrichtung von Tempo 30-Zonen in den Wohngebieten wird die Sicherheit für den Radverkehr zusätzlich erhöht. Die Stadt Unna hat hier insbesondere mit der Einrichtung unechter Einbahnstraßen in Tempo 30-Zonen gute Erfahrungen gemacht.

Abstellanlagen und Wegweisung

Ergänzend zu den infrastrukturellen Maßnahmen fördert die Stadt Unna die Nutzung des Fahrrads durch neue Abstellanlagen und eine schon seit Anfang der 80er Jahre bestehende Wegweisung auf Radwegen.

Radfahrerinnen und Radfahrer finden in der Innenstadt viele sichere und komfortable Abstellanlagen, kostenlose Stellplätze gibt es zum Beispiel in einer Tiefgarage unter dem Busbahnhof. Seit 1995 bietet die Fahrradstation am Hauptbahnhof rund 100 Abstellmöglichkeiten. Das Angebot der Arbeiterwohlfahrt umfaßt neben der Bewachung einen Service rund um´s Rad und einen Fahrradverleih. Außerdem betreibt die AWO von hier aus drei Schulfahrradwachen.

Die Fahrradstation in Unna steht im Verleih-Verbund mit Stationen in Lünen, Kamen und Selm; weitere Kontakte zu anderen Fahrradstationen im Umkreis werden gesucht. Überdachte moderne Fahrradabstellanlagen wurden auch an allen S-Bahn-Haltepunkten im Stadtgebiet eingerichtet, an der Haltestelle Unna-West bietet die Stadt zusätzlich neun Fahrradboxen an.

Unnas Radwege sind mit einem Wegweisungssystem ausgestattet, das seit 1980 im gesamten Kreisgebiet - also auch in den Nachbarstädten - Anwendung findet. Da diese Beschilderung nicht nur als Routenwegweisung, sondern auch als Zielwegweisung konzipiert ist, kommt sie sowohl den Freizeitradlern als auch den Alltagsradlern zugute. Auch die Regionalwanderwege im Kreis Unna sind vollständig beschildert.

Eine Radwanderkarte bietet fünf Rundtouren durch das Stadtgebiet. Die Routen mit Gesamtlängen zwischen 14 und 32 Kilometern führen zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten, überschreiten manchmal die Grenzen zu den Nachbargemeinden und lassen sich problemlos auch zu größeren Rundfahrten zusammenfügen. Ergänzend dazu sind die regionalen Radwanderwege eingetragen.

Öffentlichkeitsarbeit

Die baulichen Maßnahmen zur Förderung des Fahrradfahrens werden von einer breit angelegten "Kampagne für eine neue Radverkehrskultur" begleitet. Das Veranstal-tungs- und Aktionsprogramm ist vielfältig:

Seit 1990 gibt es in Unna den "Drahteselmarkt". Mit dieser Gemeinschaftsaktion zahlreicher Träger (Einzelhandel, Gesundheitskassen, ADFC, Stadt Unna), die jedes Jahr im Rahmen der Kultursamstage am ersten Samstag im Mai stattfindet, wird die Radsaison in Unna eröffnet. An diesem Tag sind alle, die etwas mit dem Fahrrad zu tun haben, auf dem Alten Markt in Unna vertreten.

Immer mehr Betriebe interessieren sich für das Programm "Mit dem Fahrrad zur Arbeit". 1992 kauften z. B. die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines großen ortsansässigen Warenhauses 115 Fahrräder. Polizei, Verwaltung und Kirchengemeinden haben Diensträder im Einsatz. Zur Zeit wird die Aktion "Mit dem Fahrrad zum Kino" vorbereitet, die eine verstärkte Nutzung des Rades in der Freizeit zum Ziel hat.

An fast allen Schulen finden fahrradfördernde Aktionen statt. Die Polizei führt regelmäßige Fahrradprüfungen und Radverkehrsprüfungen durch. Außerdem hat der ADFC im Umweltberatungsladen im Rathaus ein Büro mit festen Öffnungszeiten eingerichtet. Hier stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fahrrad-Clubs interessierten Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung. Zusätzlich veranstaltet der ADFC einmal im Monat einen Radlerstammtisch.

Ausblick

Die Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs in Unna zeigen Wirkung. Verschiedene Zeichen deuten auf ein verbessertes fahrradfreundliches Klima und eine verstärkte Fahrradnutzung hin:

  • In der Unfallstatistik der Polizei sind keine Unfallschwerpunkte bei Radverkehrsunfällen mehr festzustellen.
  • Das Radverkehrsaufkommen ist deutlich gestiegen. Selbst im Winter - bei Eis und Schnee - wird in Unna noch Rad gefahren.
  • Auch die etwas abseits gelegenen Fahrradabstellanlagen sind meist komplett belegt.
  • Die in den letzten Jahren neu entstandenen Fahrradgeschäfte haben sich behauptet.

Holländische Verhältnisse in Sachen Radverkehrsaufkommen und Fahrradkultur gibt es in Unna zwar noch nicht. Aber jeder neue Radweg, jedes Beratungsgespräch mit den Fachleuten des ADFC oder dem Fahrradbeauftragten der Stadt und jede Veranstaltung zur Radverkehrsförderung bringen Unna dem Ziel näher, eine fahrradfreundliche Stadt zu werden.