Ratingen wird 71. Mitglied der AGFS

Die Stadt Ratingen wurde auf der Mitgliederversammlung der AGFS als 71. Mitglied offiziell in die AGFS aufgenommen. Minister Michael Groschek, AGFS-Vorstand Christine Fuchs und Ratingens Bürgermeister Harald Birkenkamp unterzeichneten die Aufnahmeurkunde.

 

 

Geographische Lage

Die Stadt Ratingen liegt inmitten der Metropolregion Rhein-Ruhr, benachbart zur Landeshauptstadt Düsseldorf. Als die größte kreisangehörige Stadt des Kreises Mettmann ist sie dem Regierungsbezirk Düsseldorf zugeordnet. Ratingen ist in zehn Stadtteile untergliedert, wobei sich der zentrale, zusammenhängende Siedlungsbereich aus den Stadtteilen Zentrum, Ost, West und Tiefenbroich zusammensetzt.

Das Ratinger Stadtgebiet mit einer Fläche von 88,7 km² ist im westlichen Bereich der Düsseldorf-Duisburger Rheinebene und im östlichen Bereich dem Vorland des Bergischen Landes zuzuordnen. Dadurch weist es einen terrassenförmigen und topographisch bewegten Aufbau auf. Von der Rheinebene im Westen (ca. 35 m ü. NN) steigt das Gelände über Sand- und Lößterrassen bis zu einer Höhe von ca. 180 m ü. NN an.

Die Stadt Ratingen hat rund 91.786 Einwohner (Stand: 31.12.2012). Entlang der Rheinebene findet sich eine Siedlungskonzentration, wobei der oben erwähnte zentrale Kernbereich über 60 % aller Einwohner verfügt. Insgesamt ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 1.040 Einwohnern pro km².

Verkehrspolitische Grundsatzbeschlüsse

Rat und Verwaltung der Stadt Ratingen haben es sich schon früh zum Ziel gesetzt, den Radverkehr zu fördern. Bereits seit 1989 hat sich die Stadt um Aufnahme in das Förderprogramm Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen bemüht. Obwohl Anfang / Mitte der 1990er Jahre die Mitgliedschaft in der AGFS aus dem Auge verloren wurde, war die Förderung des Radverkehrs in der Politik nie umstritten. Die Schließung von Radwegenetzlücken und die Förderung der Nahmobilität wurden kontinuierlich weitergeführt.

Um sich nun auch öffentlichkeitswirksam zur Radverkehrsförderung zu bekennen, hat der Stadtrat am 30.06.2009 einstimmig beschlossen, die notwendigen Schritte einzuleiten, um bei der „Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V.“ (AGFS) als Mitglied aufgenommen zu werden.

Am 05.07.2011 hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt einstimmig die im Masterplan Radverkehr genannten Zielsetzungen für ein Fahrradfreundliches Ratingen beschlossen. Mit diesem Beschluss bekennt sich die Stadt Ratingen unter anderem zum Leitbild der AGFS und zu den verkehrspolitischen Zielsetzungen, dem Radverkehr bei Interessenabwägungen einen hohen Stellenwert einzuräumen sowie einen Radverkehrsanteil von 25 % anzustreben.

Zuletzt hat der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt mit Beschluss vom 25.6.2013 die mit dem Nationalen Radverkehrsplan gestartete Initiative der Bundesregierung, den Fahrradverkehr aktiv zu stärken, begrüßt und diese Initiative mit Verweis auf die mit dem Masterplan Radverkehr beschlossenen Zielsetzungen aufgegriffen.

Masterplan Radverkehr

Mit dem Masterplan Radverkehr wurde 2011 ein Gutachten fertiggestellt, das einen Weg für eine umfassende Radverkehrsförderung aufzeigt, der zukünftig auch in die gesellschaftliche und politische Diskussion eingebracht werden soll.

Der Masterplan Radverkehr benennt ehrgeizige Zielsetzungen in den Bereichen Verkehrsverhalten (Radverkehrsanteile), Radverkehrssicherheit und Zufriedenheit der Radfahrer. Zur Zielerreichung werden eine situationsangepasste Weiterentwicklung des Radverkehrs in all seinen Komponenten sowie die Verfolgung einer ganzheitlichen Strategie zur Förderung des Radverkehrs empfohlen.

Auf Basis umfangreicher Bestandsaufnahmen fand eine Analyse und Bewertung der heutigen Radverkehrssituation statt, woraus zahlreiche Maßnahmenvorschläge für eine Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur entlang des aufgebauten Radverkehrsnetzes entwickelt wurden. Der Masterplan Radverkehr gibt auch Empfehlungen zur Steigerung der Verkehrssicherheit und Verbesserung der Information und Kommunikation sowie Netzwerkarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern.

Verkehrsinfrastruktur

Das Erschließungsstraßennetz ist nahezu flächendeckend in Tempo 30-Zonenbereiche integriert, indem der Radverkehr im Mischverkehr sicher und komfortabel fahren kann.

Entlang von Hauptverkehrsstraßen wird der Radverkehr in Ratingen traditionell im Seitenraum geführt, oftmals dabei auch im Zweirichtungsbetrieb. Die innerörtlichen Zweirichtungsradwege sollen im Laufe der nächsten Jahre aufgelöst werden. In einem ersten Schritt ist gemäß der aktuellen Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichtes überprüft worden, an welchen Streckenabschnitten die Benutzungspflicht aufgehoben werden muss, so dass zumindest geübte und selbstbewusste Radfahrer die Freiheit besitzen, auf der Fahrbahn zu fahren. Kurzfristig ist geplant, die Einmündungen entlang der Zweirichtungsradwege über regelkonforme Beschilderungen und Furtmarkierungen mit ggf. Einfärbungen deutlicher abzusichern. Kurz bis mittelfristig soll insbesondere über die Markierung von Schutzstreifen ein alternatives Führungsangebot realisiert werden. Hier bietet besonders das laufende Fahrbahndeckensanierungsprogramm Chancen auf eine relativ schnelle Realisierung entlang einzelner Strecken.

Generell wird bei allen Fahrbahndeckenerneuerungen oder anderen Baumaßnahmen überprüft, ob die Radverkehrsführung den aktuellen Standards angepasst und ggf. Markierungslösungen ausgeführt werden können. Im Zuge von Erneuerungsmaßnahmen wurden bereits Schutzstreifen entlang von zahlreichen Straßen umgesetzt.

Im Zuge der straßenverkehrsrechtlichen Überprüfungen der Benutzungspflicht straßenbegleitender Radwege und der Fahrbahndeckensanierungen sowie der damit in der Regel verbundenen Führung des Radverkehr im Mischverkehr auf der Fahrbahn bzw. auf Schutzstreifen sind auch komfortable und sichere Führungsformen an den Knotenpunkten geplant. Mit Aufhebung der Benutzungspflicht und ggf. der Anlage von Fahrbahnführungen finden auch kosten- und zeitintensive Anpassungen der Signalprogramme statt. Entsprechende Mittel sind bereits für laufende Maßnahmen im städtischen Haushalt eingestellt und werden für zukünftige Maßnahmen bei der Haushaltsplanung angemeldet. Die Überprüfung der Signalanlagen zur Einpassung des Radverkehrs erfolgt auf Basis der Überprüfung der Benutzungspflicht und der dort festgelegten Prioritäten. Ältere Streuscheiben bei kombinierten Rad-/Fußverkehrsführungen werden im laufenden Betrieb ausgetauscht.

Lichtsignalanlagen

Der parallel zur Hauptrichtung fahrende Radverkehr im Seitenraum wird in Ratingen generell bei Grün mitgeführt. Bei den Nebenrichtungen erfolgte die Freigabe früher auf Anforderung. Diese alte Regelung wird im Laufe der Zeit umgestellt, entlang des Ringes in Ratingen Zentrum sind die meisten Signalanlagen bereits so geschaltet, dass auch die Nebenrichtungen zeitgleich mit dem Kfz-Verkehr Grün erhalten.

Der überwiegende Anteil der separaten Fußgänger-Signalanlagen hat in der Regel die Grundstellung Alles-Rot, so dass der überquerende Fußverkehr früher Grün erhält. An dem Knotenpunkt Bechemer Straße / Wallstraße, an dem die Fußgängerzone durch eine Querstraße unterbrochen ist, besteht eine besonders fußgängerfreundliche Signalschaltung: Hier hat der Fußverkehr Dauergrün. Der Kfz-Verkehr erhält Grün auf Anforderung über Kontaktschleifen.

Im Sinne der Barrierefreiheit sind bereits 90 % der kommunalen Signalanlagen mit taktilen Signalgebern für blinde und sehbehinderte Menschen ausgestattet. Zukünftig erhalten die Signalanlagen zusätzlich taktile Bodenindikatoren zum besseren Auffinden der Anlagen.

Umlaufsperren

An Einmündungen und Wegekreuzungen sollen zukünftig möglichst keine Umlaufschranken aufgestellt werden. Sollten aus Verkehrssicherheitsgründen doch Umlaufsperren notwendig sein, wendet die Stadt Ratingen Aufstellungsstandards an, die bei Fahrversuchen in der fahrradfreundlichen Stadt Meckenheim erarbeitet wurden. Dabei stehen die Umlaufschranken so schräg, dass Radfahrer ggf. mit Anhänger, Personen mit Kinderwagen und Rollstuhlfahrer mit langsamer Geschwindigkeit durchfahren können.

Netzdurchlässigkeit

Fehlende oder unzureichende Radverkehrsführungen entlang von Hauptverkehrsstraßen führen dazu, dass ein vollständiges und zusammenhängendes Netz derzeit noch nicht gegeben ist und auch nur mittel- bis langfristig umgesetzt werden kann. Umso wichtiger erscheint eine vollständige Netzdurchlässigkeit innerhalb des Erschließungsstraßennetzes, damit Alternativrouten gewählt werden können.

Mit der Bearbeitung des Masterplans Radverkehr wurden alle Einbahnstraßen und Sackgassen auf die Frage der Netzdurchlässigkeit überprüft. Einige der in Ratingen vorhandenen Einbahnstraßen sind bereits für den Radverkehr in Gegenrichtung frei gegeben. Die restlichen, noch nicht für den Radverkehr geöffneten Einbahnstraßen sollen je nach Aufwand kurz- bis mittelfristig für den Radverkehr in Gegenrichtung frei gegeben werden.

Zudem wurden alle Sackgassen in Ratingen dahingehend überprüft, ob diese für den Fuß- und Radverkehr durchlässig sind. Nach und nach sollen alle für Radfahrer und/oder Fußgänger durchlässigen Sack-gassen über die Zeichen 357-50 bzw. 357-51 StVO gekennzeichnet werden. Haushaltsmittel hierfür stehen bereit.

Im Ratinger Zentrum wurden bereits im Jahr 1991 einzelne Abschnitte des Fußgängerbereichs für den Radverkehr frei gegeben, damit Radfahrer ohne große Umwege das Zentrum durchfahren können. Im Zuge der Einrichtung dieser Verbindungsachse wurde auch die Kirchgasse (Einbahnstraße) als eine der ersten Fahrradstraßen eingerichtet und die Hochstraße als Einbahnstraße geöffnet sowie als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich angeordnet. Die bislang für den Radverkehr gesperrten Abschnitte des Fußgängerbereichs sollen zukünftig ggf. versuchsweise für den Radverkehr geöffnet werden.

Wegweisende Beschilderung für den Radverkehr

Bereits heute gibt es in Ratingen mehrere Routen, die über eine Fahrradwegweisung nach FGSV- bzw. HBR NRW-Standard verfügen. Mit den Routen des Radverkehrsnetzes NRW bestehen bereits wichtige Verbindungen zwischen den Stadtteilen und mit den Nachbarstädten. Eher dem Freizeitverkehr zuzuweisen sind die ausgeschilderten Strecken der EUROGA-Route und des Ratinger Radrundwanderweges.

 

Bereits durchgeplant ist das kommunale Wegweisungsnetz, das auf den Hauptverbindungswegen des alltagsorientierten Radverkehrsnetzes aus dem Masterplan Radverkehr basiert. Mit der Realisierung dieses Netzes ist ab 2014 zu rechnen.

Fahrradstation

Mitte 2010 wurde die vom Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) betriebene neue Radstation am S-Bahnhof Ratingen Ost eingeweiht. Die Radstation verfügt über rund 250 witterungsgeschützte und bewachte Abstellmöglichkeiten. Für registrierte Benutzer ist über ein Chipkartensystem ein 24-stündiger Zugang möglich.

Neben der Parkmöglichkeit bietet die Radstation einen weiteren, umfangreichen Service für Radfahrer. So können die Räder während der täglichen Abstellzeit repariert, gereinigt oder codiert werden. Außerdem können Mieträder ausgeliehen oder Kurierfahrten per Rad in Auftrag gegeben werden.

Verknüpfung mit dem ÖPNV (Bike & Ride)

Eine Verknüpfung des Fahrrades mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt in erster Linie durch das Bereitstellen von Abstellmöglichkeiten an den Bahnhöfen und Haltestellen. Neben der Radstation stehen an den S-Bahnhöfen in Ratingen Ost und Hösel überdachte und qualitativ hochwertige Abstellplätze in großer Anzahl zur Verfügung. Das Angebot an den Stadtbahn- und Bushaltestellen soll zukünftig ausgebaut werden. Bei der Umgestaltung der zentralen Umsteigehaltestelle Ratingen Mitte werden Abstellanlagen in ausreichender Anzahl vorgesehen.

Barrierefreiheit

Mit den Zielsetzungen des Masterplans Radverkehr bekennt sich die Stadt Ratingen dazu, dass die Rad-verkehrsmaßnahmen nicht zu Lasten der Belange des Fußverkehrs durchgesetzt werden dürfen. Von dieser Forderung sollen insbesondere auch Menschen mit einer Mobilitätsbehinderung profitieren. Die Herstellung barrierefreier Verhältnisse ist ein schon seit längerer Zeit angestrebtes Ziel in Ratingen. Bereits 2001 wurde in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis der Behindertenkoordinatoren NRW eine Checkliste für barrierefreies Bauen herausgegeben, die seitdem mehrmals aktualisiert wurde.

Mit einem gesamtstädtischen Haltestellenkonzept wurde festgelegt, dass möglichst alle Haltestellen im Laufe der Zeit barrierefrei ausgebaut werden sollen. Wenn möglich, sollen Busbuchten dann auch zu Kap- oder Fahrbahnrandhaltestellen umgebaut werden. In jüngster Zeit wurden alle Stadtbahnhaltestellen und sieben Bushaltestellen aus dem Haltestellenkonzept Ratingen-West barrierefrei ausgebaut und an neue Niederflurfahrzeuge angepasst. Der Umbau der zentralen Verknüpfungshaltestelle Ratingen Mitte wird bis 2015 erfolgen. In diesem Zusammenhang werden auch deutliche Verbesserungen für den Fuß- und Radverkehr umgesetzt.

Zukünftig ist geplant, den öffentlichen Straßenraum auch abseits der Haltestellen barrierefrei auszubauen. Mit der Ausstattung fast 90 % aller Lichtsignalanlagen mit taktilen Signalgebern ist ein erster Schritt getan, der durch die sukzessive Ausstattung mit taktilen Bodenindikatoren weiterverfolgt werden soll.

Verkehrssicherheitsarbeit

Sobald Radverkehrsthemen bei der Unfallkommission behandelt werden, wird die Fachdienststelle Verkehrsplanung im Amt für Stadtentwicklung, Vermessung und Bauordnung bzw. der Fahrradbeauftragte direkt hinzugezogen. Bei der Umplanung des Kreisverkehrs Kölner Straße / Am Krummenweg durch den Landesbetrieb Straßenbau NRW, ein Unfallschwerpunkt des Radverkehrs ist, konnte die Radverkehrsführung durch frühzeitige Abstimmung in der Planung optimiert werden.

Auch bei Fragen der Schulwegsicherung wird der Fahrradbeauftragte im Einzelfall tätig, so wurde ein Teilabschnitt eines Gehweges entlang des Röntgenrings für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben, da sich immer wieder Schüler regelwidrig verhalten haben. Die Schüler können nun regelkonform den Gehweg mitbenutzen, Beobachtungen zeigen, dass keine Konflikte mit dem Fußverkehr auftreten.

Die Kreispolizeibehörde Mettmann leistet im Bereich der Stadt Ratingen umfangreiche Verkehrssicherheitsarbeit. Neben der obligatorischen Radfahrausbildung im Bereich der Grundschulen ist mit dem „MobiPass“ (www.meinmobipass.de) ein umfangreiches ganzheitliches Verkehrspräventionsprojekt für eine kontinuierliche, partnerübergreifende und nachhaltige Mobilitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen in den Kommunen des Kreises Mettmann im Rahmen eines Netzwerkes aller Beteiligten entwickelt worden. Beginnend mit einer Fußgängerausbildung in den Kindertagesstätten über die Radfahr-ausbildung in den Grundschulen bis hin zu einer (derzeit noch im Aufbau befindlichen) weiteren Ausbildungsstufe im Sekundarbereich I werden die Kinder an eine eigenständige Verkehrsteilnahme herangeführt. Wichtige Zielgruppe dieser Verkehrssicherheitsarbeit sind somit neben den Kindern die Erziehungsberechtigten. Im Jahr 2012 wurde das Projekt „MobiPass“ evaluiert: Aus allen teilnehmenden Kindertagestätten wurden repräsentativ fünf Einrichtungen für eine Evaluation ausgewählt, darunter auch eine in Ratingen. Hierbei handelt es sich um einen Bewegungskindergarten, der auch am Projekt „LOTT JONN – Kindergarten in Bewegung“ teilnimmt.

Öffentlichkeitsarbeit

Bereits im Jahr 2009 wurde der aus früheren Jahren bestehende Fahrradstadtplan der Stadt Ratingen neu aufgelegt, 2012 ist dieser erneut überarbeitet und aufgelegt worden. Mit der Kennzeichnung von Radverkehrsanlagen, empfohlenen Straßen zum Radfahren und mit einer Wegweisung ausgestatteten Strecken richtet er sich an Freizeitradfahrer ebenso wie an Alltagsradfahrer. Eine Radwanderbroschüre mit 20 Routenempfehlungen unterschiedlicher Länge ist dem Fahrradstadtplan zusätzlich beigefügt. Zusätzlich zur Broschüre hat die Stadt auch einen Flyer zu einer Kinder-Tour herausgegeben. Weitere Routenflyer sind bereits in Vorbereitung.

Im Jahr 2012 wurde damit begonnen, spezielle Seiten für den Radverkehr auf den Internetseiten der Stadt Ratingen aufzubauen. Neben allgemeinen Tipps und Informationen zum Radverkehr sowie zu Verhaltensregeln werden auch aktuelle Hinweise für Radfahrerinnen und Radfahrer bereitgestellt. Die Seiten werden vom Radverkehrsbeauftragten ständig erweitert und gepflegt. Neben den Informationen zum Radverkehr finden sich auf dem Internetauftritt der Stadt auch zahlreiche Hinweise zu Wanderstrecken und Rundstrecken für Inline-Skater, Mountainbike-Fahrer und Jogger/Nordic-Walker.

Freizeit und Sport

Die Stadt Ratingen bietet zahlreiche Rad-, Wander- und Rundtouren für verschiedene Verkehrsmittelnutzer auf ihrem Stadtgebiet an (vgl. Karte im Anhang). Zu den meisten dieser Streckenvorschläge können im Internet Streckenbeschreibungen (Datenblätter), Übersichtskarten und teilweise auch gpx-Dateien für GPS-Geräte bzw. kml-Dateien zur Eingabe in Google Earth heruntergeladen werden.

Die in dem Beiheft zum Fahrradstadtplan 2009 beschriebenen 20 Freizeitradrouten weisen eine Gesamtlänge von rund 450 km auf, wobei die einzelnen Strecken eine Länge von 3 bis 45 km besitzen, so dass für alle Nutzergruppen ausreichend Alternativen zur Verfügung stehen.

Die bedeutendste Freizeitroute, die abschnittsweise durch Ratinger Stadtgebiet verläuft, ist die Euroga-Route. Diese wurde 2002 zur Europäischen Gartenschau Euroga 2002plus angelegt und verbindet die Region Düsseldorf/Niederrhein mit der Provinz Limburg (Niederlande).

Das Freizeitpotenzial von Ratingen bietet sich auch an, um zahlreiche Wanderstrecken vorzuhalten. Auf den Internetseiten werden 12 Rundwanderwege mit einer Gesamtlänge von 138 km vorgestellt. Mit dem Ratinger Rundwanderweg, der eine Gesamtlänge von 60 km aufweist, ist dabei auch eine mehrtägige Wanderung rund um Ratingen möglich.

Daneben werden auch viele Sportstrecken für Inline-Skater (4 Strecken, Gesamtlänge 40 km), Mountain-Biker (23 Strecken, Gesamtlänge 279 km) und Jogger/Nordic-Walker (69 Strecken, Gesamtlänge 572 km) beworben.

Die Hinführung von Kindern und Jugendlichen zur Nahmobilität und nichtmotorisierten Verkehrsmitteln kann auch spielerisch erfolgen, indem junge Menschen sich daran gewöhnen diese Verkehrsmittel auch als Spielgeräte zu benutzen. Besonders eignen sich hierfür Jugendspielplätzemit Sportanlagen, von denen die Stadt Ratingen in Zusammenarbeit mit Jugendlichen zwei Jugendspielplätze (inkl. Skateranlagen, Rollhockeyfeld) auf hohem Qualitätsstandard modernisiert hat (Am Sandbach, Am Sondert), drei weitere Angebote bestehen aus kleineren Anlagen für Skater (Lintorf, Homberg, Rat.-Mitte).

Zielsetzungen

Die Stadt Ratingen weist ein erhebliches Radverkehrspotenzial auf. Mit ihrem einstimmigen Beschluss vom 5. Juli 2011 wurde den Zielsetzungen des Masterplans Radverkehr zugestimmt. Die Stadt Ratingen strebt somit an, dass

-  für Radfahrer künftig ein komfortables, dichtes und Iückenloses Radverkehrsnetz vorgehalten wird,

-  die gesamte Radverkehrsinfrastruktur eine größtmögliche Verkehrssicherheit und komfortable Befahrbarkeit gewährt,

-  Radfahrer ein ausreichend gutes Stellplatzangebot an Ihren Wohnungen und ihren Zielen (Stadtzentren, Arbeitsstellen, Schulen, etc.) vorfinden,

-  sich auch private Akteure (Einzelhändler, Arbeitgeber, etc,) verstärkt in der Radverkehrsförderung engagieren,

-  die Potentiale des Radverkehrs bei verschiedenen Verkehrszwecken (Freizeitverkehr, Schülerverkehr, Berufsverkehr, Einkaufsverkehr, etc.) stärker genutzt werden,

-  Mitarbeiter der Stadt Ralingen stärker für Radverkehrsbelange sensibilisiert werden und diese in Ihrer täglichen Arbeit selbstverständlich berücksichtigen,

-  der Radverkehr als fester Bestandteil in der Verwaltungsarbeit organisatorisch, personell und finanziell implementiert wird,

-  die radverkehrsbezogene Kommunikation zwischen Verwaltung, Politik, gesellschaftlichen Akteuren und der Bevölkerung ausgebaut wird,

-  die Radverkehrsplanung bei Interessenabwägungen einen hohen Stellenwert erhält, aber nicht zu Lasten der Belange des Fußgängerverkehrs durchgesetzt werden darf,

-  das Angebot fahrradbezogener Dienstleistungen (z.B. Fahrradverleih) ausgebaut wird.

 

Die Bestrebungen zum Erreichen dieser angestrebten Zielsetzungen sollen regelmäßig auf Ihre Effektivität überprüft werden, indem die Auswirkungen auf folgende Kriterien betrachtet werden:

1.    Steigerung des Radverkehrsanteils

Der Radverkehrsanteil bei der Anzahl der Wege soll mittel- bis langfristig deutlich gesteigert werden, um das Ziel des Leitbildes der AGFS zu erreichen. Die Steigerung des Radverkehrsanteils darf dabei nicht zu Lasten des Fußgängerverkehrs erfolgen.

2.    Erhöhung der Verkehrssicherheit

Die Anzahl der verunglückten Radfahrer ist auch bei Steigerung des Radverkehrsanteils weiter deutlich zu senken. Der Trend gesteigerter Unfallzahlen mit schwer verletzten Radfahrern ist zu stoppen und langfristig - soweit möglich - gegen null zu reduzieren. Alle radverkehrsbezogenen Unfallhäufungsstellen sind zu beseitigen.

3.    Steigerung der Zufriedenheit

In Ratingen soll ein angenehmes Fahrradklima erzeugt werden. Die Bürgerschaft soll sich dem Radverkehr verbunden fühlen und sehr zufrieden sein mit der Ausgestaltung und Anzahl der Radverkehrsangebote. Die Bürger sollen dadurch eine gesteigerte Lebensqualität wahrnehmen und sich wahlfrei in der Benutzung eines Verkehrsmittels fühlen, so dass sie eine situationsangepasste Verkehrsmittelwahl treffen können.

 

Beim Radverkehr wird angestrebt,

-  den Radverkehrsanteil bis 2025 auf 25 % zu steigern,

-  die Zahl der verunglückten Radfahrer bis 2025 um mindestens 20 % zu reduzieren,

-  die Zahl der getöteten und schwer verletzten Radfahrer bis 2025 um mindestens 50 % zu reduzieren,

-  die Zahl der Unfallhäufungsstellen bis 2025 um 100 % auf 0 zu reduzieren,

-  einen eigenen Fahrradklimatest zu entwickeln und bis 2025 die Zufriedenheilswerte zu steigern.

Mit Bearbeitung des geplanten Konzeptes zur Nahmobilität sollen diese Zielsetzungen um die ganzheitlichen Aspekte der Nahmobilität ergänzt werden.

Gesamtstrategie

Die Basis für ein sicheres und komfortables Radfahren soll über das Angebot eines dichten und ausreichend dimensionierten Wegenetzes gewährleistet werden. Hierfür soll in den nächsten Jahren die Radverkehrsinfrastruktur ertüchtigt werden. Neben infrastrukturellen Maßnahmen soll das Radfahren aber insbesondere auch über eine erweiterte Öffentlichkeitsarbeit und ein vergrößertes Service-/ Dienstleistungsangebot gefördert werden.

Mittel- bis langfristig soll auch die Netzwerkarbeit verstärkt werden, damit es zu einem Aufbau eines gesellschaftlich verankerten „Bündnisses für den Radverkehr“ kommt. Private und öffentliche Akteure (Unternehmen, Schulen, Krankenkassen, etc.) sowie verschiedene Gruppen von Verkehrsteilnehmern (Schüler, Berufstätige, Senioren, etc.) sollen dabei verstärkt in Netzwerken organisiert werden, um Wünsche und Ideen auszutauschen, sowie um eigenständig Radverkehrsangebote zu organisieren und umzusetzen.

Wie bei den Zielsetzungen ist auch die Gesamtstrategie mit Bearbeitung des Nahmobilitätskonzeptes auf die generelle Förderung der Nahmobilität anzupassen.