Kommunale Verkehrspolitik/ Daten zur Kommune

Allgemeines

Die Stadt Pulheim ist im Jahre 1975 im Rahmen der kommunalen Neugliederung aus den Gemeinden Pulheim, Stommeln, Brauweiler und Sinnersdorf mit insgesamt 8 weiteren Stadtteilen entstanden. Rund 53.300 Bürgerinnen und Bürger wohnen und arbeiten auf 12 Stadtteile verteilt, wobei Pulheim als Zentralort und Sitz der Verwaltung dient. Das Mittelzentrum Pulheim, geographisch am nordwestlichen Rand der Großstadt Köln gelegen, erstreckt sich über eine Fläche von rd. 72 km² im Rhein-Erft-Kreis. Durch die direkte Nachbarschaft zu Köln profitiert Pulheim von der damit verbundenen wirtschaftlich starken Arbeitsmarktregion.

Die einzelnen Stadtteile haben sich infrastrukturell in Richtung auf ein gleiches Niveau entwickelt. Der kleinstädtische, teils dörfliche Charakter ist trotz Erweiterung durch Neubaugebiete erhalten geblieben. Die damit verbundene Steigerung der Wohn- und Lebensqualität führt zu einer ständig steigenden Bevölkerungszahl. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels werden seitens des Rates der Stadt Pulheim und der Verwaltung Leitziele, insbesondere für die Wohnungs- und Baulandpolitik wie auch für eine aktive Senioren- und Familienpolitik, entwickelt.

Durch die nahegelegenen BAB A1 und A 57 sowie die Bahnstrecke Köln-Mönchengladbach mit Haltestellen in Pulheim und Stommeln ist die Bevölkerung an das überregionale Verkehrs- bzw. ÖPNV-Netz angebunden. Zusätzlich existieren mehrere Buslinien, die auch Bürgerinnen und Bürger aus weiter abgelegenen Stadtteile mit dem Zentralort Pulheim zur Deckung des täglichen Bedarfs verbinden.

Die Stadt bietet vielfältige Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten (ehemalige Benediktinerabtei Brauweiler, ehemalige Synagoge Stommeln) sowie die landschaftliche Vielfalt sind gute Voraussetzungen für ausgedehnte Touren mit dem Rad oder auch zu Fuß. Begleitet wird das Stadtgebiet von Wäldern (Naherholungsgebiet Villewald, Chorbusch, Orrerwald, Pulheimer See) und landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Pulheim ist eine von z. Zt. zwei Städten im ebenfalls fahrradfreundlichen Rhein-Erft-Kreis, die der AGFS als Gründungsmitglied seit dem Jahre 1992 zugehörig ist.

Modal Split

Im Rahmen der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes des Rhein-Erft-Kreises wurden im Jahre 2003 Untersuchungen und Umfragen durch die Ingenieurgruppe für Verkehrswesen und Verfahrensentwicklung (IVV) durchgeführt. Durch verschiedene infrastrukturelle Maßnahmen konnte über einen Zeitraum von 12 Jahren (seit 1991) der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr von 11 auf 16 % gesteigert werden, was nahezu einer Verdopplung des Radverkehrs entspricht. Dieses Ergebnis wird auch durch den gestiegenen Anteil der zu Fuß zurückgelegten Wege von 16 auf 18 % bestätigt. Den größten Anteil am Modal Splitt hat nach wie vor der motorisierte Individualverkehr mit 59 %.

Besonders stark ausgeprägt sind die Fahrbeziehungen zwischen Pulheim und der Stadt Köln auch wenn 58 % aller Fahrten innerhalb des Stadtgebietes erfolgen. Dieser innerkommunale Verkehr dient hauptsächlich Einkaufs- und Freizeitzwecken, und wird von ca. 40 % der Bürgerinnen und Bürgern mittels Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt (ergänzende Auswertung zur Bevölkerungsbefragung 2003 im Rhein-Erft-Kreis).

Unfallentwicklung

Eine positive Bilanz zeigt sich auch bei der Unfallentwicklung aller Verkehrsteilnehmer in Pulheim. In einem durch die Polizei des Rhein-Erft-Kreises veröffentlichen Verkehrssicherheitsbericht 2005 liegt Pulheim mit einer Verunglücktenhäufigkeit von 2,82 Personenschäden pro 1.000 Einwohner weit unter Kreis- und Landesdurchschnitt (3,98 bzw. 4,29) und nimmt somit die Spitzenposition im Kreis ein. Im Vergleich zum Vorjahr befindet sich die Anzahl der Unfälle und ihre Folgen weiter auf niedrigem Niveau. Als erfreulich ist dabei der Rückgang der Kinderunfälle und der Unfälle mit Radfahrern zu sehen.

Haushaltsaufwendungen

Für verschiedene Projekte zur Verbesserung der Infrastruktur und im Zuge der damit verbundenen Öffentlichkeitsarbeit wurden zwischen 2001 und 2006 insgesamt 1.099.600 €, teilweise durch Fördermittel unterstützt, investiert. Diese Investitionen lassen sich wie folgt auf die einzelnen Jahre aufteilen:

Die o. a. Investitionssumme beinhaltet zudem die fortlaufende Erneuerung und Ausbesserung der Radwegbeschilderung sowie mehrere Auflagen des für die Bürger kostenfreien Fahrradstadtplans. Im Jahre 2004 wurde im Rahmen einer Erschließungsmaßnahme die Anbindung des Gewerbegebietes Pulheim an die L 183/ Bonnstr. fahrradfreundlich ausgebildet.

Kommunalpolitische Zielsetzungen

Schon vor dem Eintritt der Stadt Pulheim in die AGFS wurde im Jahre 1989 durch den Rat der Stadt Pulheim ein Gesamtkonzept zur Förderung des Radverkehrs verabschiedet. Dieses Konzept beinhaltet in erster Linie eine flächenhafte Ausweisung von Tempo-30-Zonen für die Gesamtstadt als Grundbaustein einer fahrradfreundlichen Stadt. Durch die damit verbundenen baulichen Änderungen soll zudem durch Reduzierung der Fahrgeschwindigkeiten die Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer erhöht werden. Ein weiterer Schwerpunkt des Radverkehrskonzeptes sieht eine Erweiterung des zum damaligen Zeitpunkt teilweise schon vorhandenen Radverkehrsnetzes vor. Das ortsteilverbindende Wegenetz parallel der übergeordneten Kreis-, Land-, und Bundesstraßen soll durch Lückenschlüsse, insbesondere im Innerortsbereich durch bauliche Maßnahmen, Markierungen und Ausweisung von Fahrradstraßen etc. ergänzt und erweitert werden. Dazu wurde ein Liniennetzplan in einem hierarchisch abgestuften System erarbeitet, der durch die Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes weiter Bestand hat. Ein radverkehrspezifisches Wegweisersystem sowie ein Abstellanlagenkonzept an öffentlichen und privaten Einrichtungen wurden bereits umgesetzt und werden bei Bedarf weiter ergänzt. Dieses Gesamtkonzept hat bis zum heutigen Tage Bestand und ist somit die Grundlage für alle fahrradfreundlichen Maßnahmen im Stadtgebiet.

Organisation der Fahrradförderung in der Verwaltung

Die Interessen des Radverkehrs in Pulheim werden seit 1990 durch einen eigens ernannten Fahrradbeauftragten, z. Zt. Herrn Dipl.-Ing. Stefan Würtz, vertreten. Das Aufgabengebiet rund um den Radverkehr ist Bestandteil eines Verkehrsingenieur-Arbeitsplatzes im Tiefbauamt. Von dort aus können fahrradfreundliche Gestaltungselemente bei Planungen zu Straßenerneuerungen und neuen Erschließungsgebieten direkt mit eingebracht werden. Straßen- und verkehrsplanerische Kenntnisse sind hierbei Voraussetzung für den Fahrradbeauftragten.

Kooperation

Geplante Baumaßnahmen und auch einzelne Markierungsarbeiten zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur werden im Rahmen einer Bereisung der verkehrslenkenden Behörden durch Vertreter des Tiefbauamtes, des Ordnungsamtes und der Polizei begutachtet. Die Durchführung einzelner Aktionen im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit und der Mobilitätserziehung (z. B die "Aktion Licht" der AGFS) findet in enger Zusammenarbeit mir der örtlichen Polizeibehörde statt.
Auch der ADFC wird an ihn betreffenden Maßnahmen und Aktionen beteiligt. In Zusammen¬arbeit mit der ADFC Ortsgruppe Pulheim und der damaligen Fahrradbeauftragten der Stadt wurde eine Freizeitroute, die sogenannte "Pulheimer Herztour", für Radfahrer durch das gesamte Pulheimer Stadtgebiet ausgearbeitet, inkl. eigener Beschilderung und Kartenmaterial. Auch zukünftig wird der ADFC durch die Beteiligung an der Fortschreibung des Verkehrsentwicklungsplanes des Rhein-Erft-Kreises Regionalkonzept Radverkehr aktiv in die Weiterentwicklung des Radverkehrsnetzes eingebunden. Zudem ist der ADFC im für den Radverkehr zuständigen Fachausschuss (Tiefbau- und Verkehrsausschuss) mit einem Mitglied vertreten.