Kreis Soest, seit 2008 „Fahrradfreundlicher Kreis in NRW“

Schilder machen an den Soester Kreisgrenzen auf das Prädikat „Fahrradfreundlicher Kreis in Nordrhein-Westfalen“ aufmerksam. Landrätin Eva Irrgang (l.) nahm sie von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (r.) und AGFS-Geschäftsführer Harald Hilgers (2. v. l.) entgegen. MdL Christof Rasche (FDP) aus Erwitte (2. v. r.) gratulierte der Landrätin zur Auszeichnung. Foto: Weinstock/Kreis Soest

"Wir werden alles tun, um den Radverkehr im Kreis Soest weiter voranzubringen und die Urkunde zu behalten." Das erwiderte Landrätin Eva Irrgang auf den Hinweis von NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke, das Prädikat "Fahrradfreundlicher Kreis" werde jeweils nur für sieben Jahre vergeben. Wittke kam am Mittwoch, 26. November 2008, ins Kreishaus nach Soest, um gemeinsam mit Landrätin Eva Irrgang die Urkunde zu unterzeichnen, mit der die Aufnahme des Kreises Soest in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW (AGFS) besiegelt wurde.

Der Kreis Soest

Etwa 30 Kilometer östlich von Dortmund befindet sich der Kreis Soest zwischen den bewaldeten Höhenzügen des Sauerlands im Süden und der münsterländischen Parklandschaft jenseits der Lippe im Norden. Dazwischen befinden sich der Haarstrang und die fruchtbare Soester Börde. Von der Stadt Werl im Westen bis nach Geseke im Osten durchquert der Hellweg, eine alte Fernhandelsstraße, heute Bundesstraße 1, den Kreis.

Der Kreis Soest ist mit 1.328 km² der viertgrößte Nordrhein-Westfalens. 304.036 Einwohner (Stand 30.06.2011) leben in 14 Städten und Gemeinden. Die Bevölkerungsdichte liegt durchschnittlich bei ca. 229 Einwohnern pro km². Das entspricht nicht einmal der Hälfte der in NRW insgesamt festgestellten Bevölkerungsdichte. Damit wird deutlich, dass der Kreis Soest einer der großen, ländlich geprägten Flächenkreise von NRW ist.

Mit dem Hochsauerlandkreis, Märkischen Kreis, Kreis Olpe und Kreis Siegen-Wittgenstein bildet der Kreis Soest die Region Südwestfalen. Durch die sehr unterschiedlichen Landschaften bietet der Kreis Soest ideale Bedingungen für ein vielfältiges, abwechslungsreiches Landschafts- und Naturerleben. Die angrenzenden Kreise Unna im Westen und Warendorf im Norden sowie die Kreisfreie Stadt Hamm im Nordwesten sind ebenfalls ADFC-Mitglieder. Außerdem grenzen im Norden und Osten die Kreise Gütersloh und Paderborn, im Süden der Hochsauerlandkreis und der Märkische Kreis an.

Radfahren im Kreis Soest

Fast 17 % beträgt der Radverkehrsanteil am Gesamtverkehr im Kreis Soest und liegt damit deutlich über dem Durchschnitt des Landes NRW. Einen Radverkehrsanteil von 22 % hat die Stadt Soest zu verzeichnen, die zu den Gründungsmitgliedern der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW“ (AGFS) gehört. In der Stadt Lippstadt liegt der Radverkehrsanteil sogar über 26 % (Modal-Split-Erhebung Kreis Soest, 2011). Die für einen Flächenkreis relativ hohen Radverkehrsanteile liegen sowohl an den guten Infrastrukturen in den Städten des Kreises als auch an den optimalen Voraussetzungen zum Radfahren im ländlich geprägten Umland. Letztlich sind sie auch ein Ergebnis der Radverkehrsförderung des Kreises, die seit den 1980´er Jahren durch den Bau zahlreicher Radverkehrsanlagen an den Kreisstraßen sowie die Ausweisung vieler Radrouten vorangetrieben wird.

Gemütliche „Genussradler“, wie auch Radsportler finden im Kreisgebiet attraktive Freizeitradrouten und Touren-Angebote. Das dichte Netz asphaltierter Wirtschaftswege enthält zahlreiche kommunale, regionale und überregionale Radrouten, die zum Teil mit straßenbegleitenden Radwegen des klassifizierten Straßennetzes verknüpft sind. Abseits des motorisierten Verkehrsgeschehens führen sie durch eine land-, im Süden auch forstwirtschaftlich geprägte, alte und idyllische Kulturlandschaft. Naturnahe Bereiche, z. B. der Naturpark „Arnsberger Wald“ oder die Flüsse Lippe, Ruhr und Möhne sind mit beschilderten Radrouten ebenso gut erschlossen wie der weithin bekannte Möhnesee. Alle Flüsse im Kreisgebiet werden von Fern- oder Regionalradwegen begleitet, der Römer-Lippe-Route (Xanten-Detmold), dem RuhrtalRadweg (Winterberg-Duisburg) und dem MöhnetalRadweg (Brilon – Arnsberg-Neheim). Thementouren, zum Beispiel „Welver à la carte“, „Werler Kleeblatt“ oder „Rund um Lippstadt“, bestehen meist aus beschilderten Rundrouten.

Urige und gemütliche Landgasthöfe, Bauernhofcafés sowie Gastbetriebe, meist mit Biergärten, befinden sich häufig an den Radrouten. 25 ADFC-zertifizierte Bett + Bike – Betriebe sorgen für das Wohl und gute Übernachtungsmöglichkeiten für die Radwanderer. Über das „E-Bike-Netzwerk im Kreis Soest“, das seit 2009 existiert, stehen Pedelecs zur Anmietung zur Verfügung, bei Voranmeldung auch für größere Gruppen.

Fahrrad und öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV)

Unterwegs mit dem FahrradBus Foto: Weinstock/Kreis Soest

Auf drei Bahnlinien der Euro-Bahn können viele Orte im Kreis per Zug, in modernen Fahrradabteilen auch mit dem Fahrrad, von Dortmund, Hamm und Paderborn aus erreicht werden. In den Städten Geseke, Lippstadt, und Soest stehen jeweils am Bahnhof auch Fahrradstationen zur Verfügung. Vier "FahrradBus-Linien", die in der Fahrradsaison an Wochenenden auf einem Fahrradanhänger bis zu 16 Fahrräder transportieren, erleichtern die Anfahrt zu einigen attraktiven Radrouten.

Öffentlichkeitsarbeit

Bereits Ende der 1970er Jahre hat der Kreis Soest seine erste Radwanderkarte unter dem Titel „Radwandern im Kreis Soest und Umgebung“ herausgegeben. Seither hat es zahlreiche weitere Radwanderkarten gegeben, die zum Teil in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Kartenverlagen, z. B. der Bielefelder Verlagsanstalt, erarbeitet und herausgegeben wurden. Die aktuelle Radwanderkarte des Kreises Soest wird als Leporello mit dem Titel „Radwandern im Kreis Soest“ vertrieben.

Zur Information der Bürger und Gäste im Kreis Soest wird von der wfg seit 2010 jährlich das „Radmagazin Kreis Soest“ herausgegeben. In diesem Heft werden Informationen zu Radverkehrsprojekten, zu Fahrradservice- sowie Bett + Bike-Betrieben, zu Radveranstaltungen, Radrouten und Radtourenangeboten sowie zum FahrradBusangebot weiter gegeben. Das Heft ist bei den Kommunalverwaltungen und den Tourist-Infostellen kostenlos erhältlich. Auch auf der Homepage der wfg finden sich ausführliche Informationen zum Radfahren. Hier stehen die touristischen Radverkehrsangebote im Vordergrund.

Pressemitteilungen informieren anlassbezogen über Fahrradevents, neu geschaffene Infrastrukturen für den Radverkehr sowie Angebote für Alltags- und Freizeitradfahrer.

Als besonderer Service für die fahrradinteressierten Gäste und Bürger im Kreis Soest wird von den Städten und Gemeinden jeweils in den Monaten von Mai bis Oktober eine interessante Radroute des Monats vorgestellt. Es handelt sich in der Regel um landschaftlich attraktive Routen, die oft an Sehenswürdigkeiten entlangführen. Diese „Radrouten des Monats“ werden auf dem Routenplaner des Sauerland-Tourismus e.V. mit ausführlicher Routenbeschreibung, einer Routenkarte, Angaben zu Gastronomiebetrieben und Pausenstationen sowie einem Höhenprofil und den GPS – Daten zur Route vorgestellt.

Fahrradevents

Radtour zwischen blühenden Rapsfeldern Foto: Weinstock/Kreis Soest

Wenn große Radfahrergruppen abseits der viel befahrenen Straßen durch gelb blühende Rapsfelder radeln und ein Duft von Wärme und Frühling in der Luft liegt, dann ist der Winter endgültig vorbei und es heißt "Anradeln im Kreis Soest"! An diesem jährlichen Aktionstag Ende April wird die Fahrradsaison überall im Kreis Soest mit geführten Radtouren und einem attraktiven Rahmenprogramm eröffnet. Der Kreis übernimmt hier die Koordination der Aktionen, das Marketing wird von der Wirtschaftsförderung Kreis Soest GmbH (wfg) durchgeführt.

Das bekannteste und größte Fahrradfest im Kreis Soest ist jedoch das Sattel-Fest, das jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli stattfindet. Bis zu 50.000 Teilnehmer radeln ungestört auf einer für den motorisierten Verkehr gesperrten Strecke zwischen Soest und Hamm. Stationen auf der Strecke mit Aktionen, Ausstellungen und gastronomischen Angeboten sowie die Fahrradmärkte in Soest, Welver und Hamm machen dieses Volksfest zu einem Erlebnis. Seit 2008 wird dieses Fest unter Beteiligung des Kreises Soest als Mitveranstalter durchgeführt.

Weitere Events sind das "Fahrradfest am Möhnesee", das jeweils im Juni des Jahres stattfindet sowie der "Lippetaler Fahrradthon", der jedes Jahr am 2. Wochenende im August von der Gemeinde Lippetal ausgerichtet wird. Das "Werler Volksradfahren", das vom örtlichen Radsportverein ausgerichtet wird, fällt seit einigen Jahren mit dem Fahrradaktionstag "Anradeln" zusammen.

Radverkehrsförderung

Eine Grundlage für die zukünftige (Rad-) Verkehrsplanung bildet die Modal Split-Erhebung 2011, die auf Anregung der AGFS und mit einer Förderung durch das Land NRW durchgeführt werden konnte. Diese Analyse, die nach einer standardisierten Methode erfolgte, ist eine Bestandsaufnahme der werktäglichen Verkehrsteilnahme und lässt Vergleiche zwischen dem Mobilitätsverhalten im Kreis Soest und dem anderer Städte oder Kreise zu. Die Ergebnisse unterstützen eine verkehrslenkende Planung.

Ein wichtiges Instrument zum fachlichen Austausch und zur Radverkehrsplanung ist der seit 2006 bestehende Arbeitskreis „Pro Fahrrad im Kreis Soest“. Teilnehmer dieses Arbeitskreises sind Radverkehrsplaner und Touristiker der kreisangehörigen Städte und Gemeinden. Als Anbieter geführte Radtouren im Kreisgebiet nehmen Vertreter des ADFC und des Sauerländer Gebirgsvereins (SGV) ebenfalls teil. Der ADFC engagiert sich auch radverkehrspolitisch und nimmt dadurch Einfluss auf die Radverkehrsplanung. Hinzu kommen themenbezogene Referenten. Der Arbeitskreis kommt mehrfach im Jahr zusammen, mindestens jedoch zweimal, jeweils vor dem Beginn und nach dem Abschluss der Fahrradsaison.

Ein Gemeinschaftsprojekt des ADFC und des Kreises Soest ist seit 2009 "Ride4Blind". Es wird unterstützt von der Bürgerstiftung Hellweg. Im Projekt fahren sehende und blinde oder sehbehinderte Menschen gemeinsam Tandem. Ziele des Projektes sind die gleichberechtigte Teilhabe und Mobilität in Form einer partnerschaftlichen Fortbewegung und Orientierung. Der sehende und der blinde oder sehbehinderte Mensch bilden auf dem Tandem ein Team. Es dient der Gesundheitsförderung, da das Radfahren das seelische und körperliche Wohlbefinden steigert und Kontakte fördert. Ein Tandemverleih und geführte Radtouren erweitern gleichzeitig den Radius für blinde und sehbehinderte Menschen im Kreisgebiet. Das Projekt fördert zudem die Verkehrssicherheit und das freiwillige Engagement der Beteiligten, es macht sie zu Partnern im Verkehr.

Im Rahmen des Regionale 2013-Projektes „Radnetz Südwestfalen“ wird das Radverkehrsnetz NRW im Kreis Soest und bei den Regionale 2013-Partnern Hochsauerland- und Märkischer Kreis sowie den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein stark verdichtet und erweitert. Ziel dieses umfassenden Projektes ist die Schaffung eines Radnetzes, welches sowohl Alltagsradfahrern als auch Touristen eine verkehrssichere, vielfältige und qualitativ hochwertige Mobilität auf dem Fahrrad ermöglicht. Durch ein auf die wegweisende Beschilderung nach HBR (Hinweise zur wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr in NRW) aufgesetztes Knotenpunktsystem wird die Orientierung für die Nutzer des Radverkehrsnetzes zusätzlich erleichtert. Gleichzeitig sollen die Radverkehrsinfrastrukturen optimiert und mit Serviceelementen, z. B. Informationstafeln oder Fahrradrastplätzen, angereichert werden. Selbstverständlich werden die Radrouten und Radverkehrsnetze benachbarter Kreise und Regionen, z. B. der „Radelpark Münsterland“ oder die „Radregion Rheinland“ an das Radnetz angebunden.

In Erweiterung des Radverkehrsnetzes NRW finden im Radnetz Südwestfalen auch touristische Aspekte Raum. Die touristische Ausgestaltung des Radnetzes Südwestfalen soll der Schwerpunkt der projektierten „Radwerkstatt“ sein, die mit den Regionale-Partnern gemeinsam eingerichtet wird. Ihre Aufgabe ist es, vorhandene radtouristische Routen und Angebote über das Radnetz miteinander zu verknüpfen und weitere zu entwickeln.