Hintergrundwissen zum "Fahrradfreundlichen Kreis Euskirchen"

Kreisstraßen mit geringem Kfz-Aufkommen sind Bestandteil des Radverkehrsnetzes im ländlichen Raum.

Planungsgeschichte und Zielvorstellungen

Die unterschiedlichen topografischen Bedingungen im Kreis Euskirchen prägen die Fahrradnutzung sehr stark. Im Nordkreis sind kaum größere Höhenunterschiede zu überwinden, daher erfreut sich das Radfahren hier großer Beliebtheit sowohl im Alltags- als auch im Freizeitverkehr. Hier liegt auch die Kreisstadt Euskirchen, die bereits 1996 Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden in NRW wurde.
In den südlichen, z.T. recht bergigen Teilen des Kreises sind die Bedingungen für das Radeln unterschiedlich: Vor allem in den Flusstälern von Olef und Erft wird das Fahrrad auch für die Alltagswege genutzt. Der Südkreis spricht aber vor allem die Gruppe der Freizeitradler an, die in unberührter Natur Ruhe und Erholung suchen.

1999 ergriff die Kreisverwaltung die Initiative, die verschiedenen lokalen Konzepte zur Förderung des Radverkehrs zusammenzubringen, den Austausch zu Themen des Radverkehrs zu fördern und das bestehende Angebot gemeinsam weiterzuentwickeln und zu vermarkten. Eingebettet sind diese Bemühungen in den Agenda 21-Prozess des Kreises.
In einer Auftaktveranstaltung zum Projekt "Fahrradfreundlicher Kreis Euskirchen" waren alle Beteiligten aufgerufen, Leitthemen zu benennen, die in Arbeitskreisen vertieft weiter bearbeitet werden sollten.

Die Mitglieder der einzelnen Arbeitskreise trafen sich regelmäßig und konnten bald ganz konkrete Ergebnisse ihrer Arbeit feststellen. Die ersten Schritte zur Umsetzung einzelner Teilprojekte wurden gemacht. Das bis dahin Erreichte und die weiteren Planungen wurden, ergänzt durch eine Finanz- und Zeitplanung, in einem "Leitantrag" zusammengefasst, der als offizielle Bewerbung um die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft abgegeben wurde.

Landrat Günter Rosenke bekommt die Mitgliedsurkunde überreicht.

Belohnt wurde diese Arbeit am 5. März 2002: Der Kreis Euskirchen wurde offiziell in die Arbeitsgemeinschaft der Fahrradfreundlichen Städte und Gemeinden in NRW aufgenommen. Die Auswahlkommission hatte vor allem das spürbare Engagement aller Beteiligten sowie die zahlreichen auch unkonventionellen Ansätze des Programmes, wie die Befragung der Schüler als Alltagsexperten, gewürdigt.

Thematische Handlungsschwerpunkte

Die Aufgaben, die anzupacken sind, wurden in vier Leitthemen zusammengefaßt:

  • Harmonisierung der Fahrradwegweisung
  • Fahrradfahren und Tourismus
  • Alltagsradfahren im ländlichen Raum
  • Konflikte mit Natur und Landschaft.

Harmonisierung der Fahrradwegweisung

Fahrradfahrer sollen im ganzen Kreisgebiet eine einheitliche Fahrradwegweisung vorfinden, die eine problemlose und verläßliche Orientierung im Alltags- und Freizeitradverkehr ermöglicht.
Daher werden alle bestehenden und neuen Wegweisungsvorhaben vom Kreis Euskirchen zentral koordiniert. Das „Landesweite Radverkehrsnetz NRW“ gehört ebenso dazu wie die Wegweisung des Kreises und der Kommunen sowie die des „Naturparks Hohes Venn-Nordeifel“ und des „Eifelvereins“.

Fahrradfahren und Tourismus

Über verschiedene Teilprojekte soll der Fahrradtourismus im Kreis Euskirchen weiterentwickelt werden.
Mit der "Wasserburgenroute" verläuft bereits ein Fernradwanderweg durch den Kreis Euskirchen, der die strengen Qualitätskriterien des ADFC weitgehend erfüllt.
Weitere touristische Themenrouten sollen folgen: Kurz vor der Umsetzung stehen der "Erftrradweg" und die sich daraus ergebende "Rheinische-Drei-Flüsse-Tour" sowie der "Mosel-Maas-Radweg". Die Stadt Bad Münstereifel hat ein Radroutennetz für Mountainbiker umgesetzt. Weitere lokale und regionale Projekte sind in Planung. Auch die Vernetzung mit der Radverkehrsinfrastruktur über Kreis- und Landesgrenzen hinweg wird erfolgreich vorangetrieben, im Jahr 2004 wird der Netzschluss im Ahrtal bis zur Rheinland-Pfälzischen Grenze geschaffen sein.

Zwei der jährlich stattfindenden Fahrrad-Aktionstage fanden besonderen Anklang bei der Bevölkerung: Im Mai 2000 wurde mit der "Urftseeroute" eine neue wichtige Radverbindung entlang des Urftsees eingeweiht; sie verläuft durch militärisches Sperrgebiet, das nur an Wochenenden und Feiertagen zugänglich ist. Für die Zukunft ist geplant, dieses Sperrgebiet in einen Nationalpark umzuwandeln.
Im September 2000, am Tag des offenen Denkmals, waren einige der meist im Privatbesitz befindlichen Wasserburgen für Besucher geöffnet. Die meisten Besucher steuerten die Burgen mit dem Drahtesel an.

Fahrradhalter erweitern das Angebot der Fahrradmitnahme auf den Freizeitlinien.

Die Verknüpfung der Umweltverbundverkehrsmittel ist ein weiterer Schwerpunkt in diesem Handlungsfeld. Die "Kreisverkehrsgesellschaft Euskirchen (KVE)" bietet von April bis Oktober einen besonderen Service an: Alle wichtigen Freizeitziele des Kreises werden untereinander und mit den Bahnhöfen über die "Luchsus-Linien", die Freizeitbusse der KVE, verbunden. Seit 2002 wird ergänzend zur Fahrradmitnahme in den Fahrzeugen ein Fahrradtransport über Heckgepäckträger an den Bussen angeboten. Einzigartig ist auch das Angebot der Gemeinde Hellenthal, wo im AST-Verkehr (Anruf-Sammel-Taxi) eine Fahrradmitnahme möglich ist.
Professionell vermarktet werden die radtouristischen Angebote über die Eifel Tourismus GmbH. Sie vermittelt Informationen an Individualreisende, aber auch Pauschalangebote für Reiseradler.

Alltagsradfahren im ländlichen Raum

Im ländlichen Raum nutzen Alltags- und Freizeitradfahrer überwiegend die gleichen Wege. Eine Verbesserung der Infrastruktur kommt daher beiden Zielgruppen zugute.

Speziell auf die Bedürfnisse des ländlichen Raumes zugeschnitten, wurde ein Leitfaden für kommunale Radverkehrskonzepte erarbeitet, der den Verwaltungen, Planungshilfen gibt.
Schüler an weiterführenden Schulen wurden nach Gefahrenpunkten im Radverkehrsnetz befragt, so konnte konkreter Handlungsbedarf in den Gemeinden wirkungsvoll aufgedeckt werden.
Die Ergebnisse wurden den jeweils betroffenen Kommunen zur Verfügung gestellt, um Mängel beheben zu können.

Ein wesentlicher Baustein zur Verbesserung des Alltagsradverkehrs ist das Handlungskonzept zum Ausbau des Radwegenetzes an klassifizierten Straßen. Eine kreisweite Prioritätenliste für ca. 160 km Radwege wurde geschaffen. An der Umsetzung wird zur Zeit gearbeitet.

Der „krusche Boom“, die verkehrsreichste Kreuzung des Kreises Euskirchen, wurde bereits fahrradfreundlich umgestaltet.

Konflikte mit Natur und Landschaft

Über frühzeitige Abstimmung und Koordination sollen Nutzungskonflikte zwischen den Interessensvertretern von Naturschutz, Forst- und Landwirtschaft bereits im Vorfeld der Planungen gelöst werden.
Hierzu zählt die Klärung von haftungsrechtlichen Fragen bei der Ausweisung von Radwanderrouten auf land- und forstwirtschaftlichen Wegen. Die Durchführung und Finanzierung von Streckenkontrollen sowie die Unterhaltung der Radwanderwege einschließlich Beschilderung sind vertraglich zu regeln. Hierzu wurde ein Mustervertrag erstellt.
Durch eine gezielte Besucherlenkung, z.B. mit der Ausweisung von Mountainbike-Routen, sollen besonders schützenswerte Landschaften entlastet werden.

Öffentlichkeitsarbeit

In der Öffentlichkeitsarbeit steht Bewährtes, wie z.B. die Fahrradaktionstage, neben neuen Elementen. Hier werden sowohl für den Fahrradtourismus als auch für den Allltagsradverkehr Akzente gesetzt.
Intensiviert werden die Aktivitäten zur Vermarktung der Angebote „Freizeit ohne Auto“, also der Kombinationen Fahrrad und Bahn, Fahrrad und Bus sowie Fahrradmitnahme im AST-Verkehr.
Die Verbesserungen im Radroutennetz werden durch eine, 2003 erscheinende, neue Radwanderkarte dokumentiert.
Die Öffentlichkeitsarbeit zum Alltagsradverkehr konzentriert sich auf jährlich wechselnde Zielgruppen. Im Jahr 2003 steht das Thema „Fahrradfreundliche Schule“ im Vordergrund.

Fahrradaktionstage gehören zum bewährten Repertoire der Öffentlichkeitsarbeit.

Ausblick

Nach der Umsetzung des landesweiten Radverkehrsnetzes im Frühjahr 2003 wird das Routennetz stufenweise erweitert. Besondere Bedeutung haben die Lückenschlüsse nach Rheinland-Pfalz, da der Kreis Euskirchen als Teil der fahrradtouristischen Region Eifel vermarktet wird.
Da mit dem "Nationalpark Eifel" der Kreis Euskirchen in naher Zukunft eine weitere Attraktion aufweisen wird, ist bereits heute ein Konzept zur Erschließung und Besucherlenkung in Arbeit, in dem das Fahrrad als umweltverträgliches Verkehrsmittel eine große Rolle spielen soll.

Die Fahrradnutzung und die Fahrradmitnahme in der Bahn spielen für die Attraktivität der fahrradtouristischen Angebote eine große Rolle. Daher wird die Vernetzung der Fahrradbusse durch "Tal-zu-Tal-Verbindungen" verbessert.

Für den Alltagsradverkehr wurden regional differenzierte Zielwerte definiert. Zur Zeit liegt die Fahrradnutzung zwischen 24% (Kernstadt Euskirchen) und 2% (Höhenorte unter 1.000 Einwohner). Im Rahmen der integrierten Gesamtverkehrsplanung des Kreises wird für den gesamten Kreis eine Steigerung von 8 auf 12% prognostiziert, wenn das Maßnahmenprogramm "Fahrradfreundlicher Kreis Euskirchen" greift.

Der Radverkehrsanteil im Kreis Euskirchen ist sehr unterschiedlich.

Die Handlungsschwerpunkte für die nächsten Jahre liegen in der Umsetzung des Radwegebauprogrammes an klassifizierten Straßen- und der Verbesserung der Verkehrssicherheit in den Gemeinden durch kleinere und punktuelle Maßnahmen.
In Zukunft spielt „Bike & Ride“ eine größere Rolle: Vor allem das Fahrradparken an Haltestellen von Bus und Bahn wird in Zusammenarbeit mit dem „Verkehrsverbund Rhein-Sieg“ zukünftig flächendeckend angeboten.