Stadt Köln - Eine Zwischenbilanz

Köln ist mit über einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern und einer Gebietsgröße von mehr als 400 Quadratkilometern bevölkerungs- und flächenmäßig die größte Stadt in Nordrhein-Westfalen. Als Oberzentrum für eine Nahregion, in der 2,5 Millionen Menschen leben, verfügt Köln über 500.000 Arbeitsplätze, davon allein etwa 170.000 in der City. Hier wohnen zudem fast 140.000 Menschen. Die Stadt verfügt als bedeutendes Dienstleistungs-, Messe- und Kulturzentrum über eine gut ausgebaute Infrastruktur. Aus der relativ kompakten Siedlungsstruktur der Innenstadt mit einer vielfältigen Mischung aus Wohnungen, Arbeitsplätzen und Versorgungseinrichtungen ergeben sich geringe Distanzen im Nahverkehr und damit ideale Bedingungen für das Fahrrad. Viele wichtige Zielpunkte liegen auf engem Raum beieinander und sind für den Radverkehr schnell und leicht erreichbar.

Planungsgeschichte und Zielvorstellungen

Köln hat im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten mit über 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern einen der höchsten Radverkehrsanteile: 1999 wurden 16 Prozent aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Dieser Anteil dürfte in den nächsten Jahren weiter steigen. Das Fahrrad hat sich in Köln einen wichtigen Platz im Verkehrsgeschehen erobert! Es gibt - soweit die Statistik dies überhaupt erfassen kann - inzwischen etwa 890.000 Fahrräder in Köln. Für eine Großstadt ist dies bemerkenswert, denn Kölns Spitzenstellung als westdeutsche Metropole und Verkehrskreuz des Westens stellt besondere Anforderungen an eine leistungsfähige Infrastruktur. Umso wichtiger ist, dass die weitaus umweltfreundlichste Verkehrsart im Aufwind ist. Die Stadt Köln hat das Thema Radverkehr schon frühzeitig aufgegriffen und die Förderung des Fahrradverkehrs in eine verkehrspolitische Gesamtstrategie eingebunden. Im "Gesamtkonzept Stadtentwicklung" aus dem Jahre 1978 wird erstmals die gleichberechtigte Stellung des Radverkehrs unter den Verkehrsmitteln postuliert. Mit dem "Radverkehrsnetzplan Köln" besteht bereits seit 1984 ein gesamtstädtisches Konzept zur Radverkehrsförderung.

Zusätzlich zum Landesprogramm für den kommunalen Radwegebau hat die Stadt Köln schon Anfang der 80er Jahre eigene Sonderprogramme für die Erneuerung vorhandener Radwege und für sonstige kleinere Maßnahmen (u. a. Rotfärbung von Radwegen) aufgelegt. Im August 1989 gab die Stadt Köln ein Gutachten zum Innenstadtgebiet innerhalb der Ringe in Auftrag ("Fahrradfreundliche Innenstadt"), das nach weitgehender Fertigstellung der wichtigsten die Innenstadt querenden Fahrradachsen die weiteren Schritte der Radverkehrsplanung vorgibt. Im Vordergrund stehen dabei kurzfristig und mit einfachen baulichen Mitteln realisierbare Vorschläge, den Kernbereich durchlässiger zu gestalten, insbesondere durch Führungen gegen die Einbahnstraßen.

Mit Grundsatzbeschlüssen des Rates bzw. des Ausschusses Tiefbau und Verkehr vom Februar 1992 (u. a. zur Verbesserung der Radverkehrsführung an Knotenpunkten oder zur Schaffung ausreichender und geeigneter Abstellanlagen) bekräftigte die Stadt Köln ihren Willen zur Förderung des Radverkehrs. Im Juni 1992 beschloss der Rat der Stadt das Gesamtverkehrskonzept Köln, das auch umfassende Aussagen zur Radverkehrsförderung enthält. Hauptziel ist es, die Umweltbelastungen durch Abgase und Lärm zu reduzieren, gleichzeitig aber die Mobilität der Bevölkerung zu erhalten. Dazu soll der Anteil der Verkehrsmittel des Umweltverbundes - und dabei vor allem der Anteil des Radverkehrs - deutlich erhöht werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelten die Verkehrsplaner nach dem Vorbild der holländischen Stadt Delft eine Netzhierarchie mit drei Kategorien: das Viertelsnetz mit dem Ziel größtmöglicher Durchlässigkeit im Quartier, ein Bezirksnetz für die schnellen Alltagswege auf den Hauptstraßen und ein überbezirkliches Netz für hochwertige, möglichst autofreie Routen durchs Stadtgebiet. Auf der Grundlage eines vom Amt für Straßen und Verkehrstechnik und vom Fahrradbeauftragten erarbeiteten Leitantrags wurde die Stadt Köln 1993 in den Kreis der fahrradfreundlichen Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen aufgenommen.

Der Leitantrag, der später als Programm beschlossen wurde, umfasst insgesamt 26 Bausteine, die sich unterschiedlichen Themen und Problemen widmen. Neun dieser Bausteine beschäftigen sich mit der Analyse, konzeptionellen Überlegungen und begleitender Forschung. So werden z. B. Mängel und Potentiale im Straßen- und Wegenetz analysiert, der Radverkehrsnetzplan weiterentwickelt und das Fahrrad als Faktor im Wirtschaftsverkehr untersucht. Die übrigen Bausteine beziehen sich auf umsetzungsorientierte und kurzfristig wirksame Maßnahmen. Hierzu zählen etwa die Sanierung der Radwege, der Umbau von Hauptverkehrsstraßen, ein Aktionsprogramm zum Radfahren in Einkaufsbereichen oder die Fahrradwegweisung.

Das "Maßnahmenprogramm Radverkehr" in der beschlossenen Fassung von 1997 konkretisiert den Leitantrag. Es füllt dessen Rahmenvorgaben mit kleinräumig lokalisierten Inhalten. Thematische oder räumliche Ergänzungen bzw. Verschiebungen der Bausteine sowie Korrekturen beim Zeit- und Kostenrahmen sind immer wieder erforderlich.

Örtliche Handlungsschwerpunkte

Das Maßnahmenprogramm für den Radverkehr wird jährlich fortgeschrieben und aktualisiert. Für die folgenden Jahre liegen die konzeptionellen Schwerpunkte bei den Bausteinen

  • Wirkungskontrolle zum Programm fahrradfreundliche Stadt Köln,
  • Analyse der Mängel und Potentiale im Straßen- und Wegenetz im Bereich der Radverkehrsanlagen (insbes. auch im Zusammenhang mit der Neuregelung der StVO),
  • Weiterentwicklung des Radverkehrsnetzplanes,
  • wohnungsbezogenes Parken der Fahr-räder,
  • Haltestellen- und Bike + Ride-Programm,
  • Nachtransport an S-Bahn-Stationen (Fahrrad im Umweltverbund bzw. als letztes Glied in der Transportkette) und
  • gemeinsame Nutzung des Straßenraums mit Straßenbahn oder Bus. Im verkehrstechnischen Bereich konzentrieren sich die Maßnahmen auf
  • die Anlage von Schutzstreifen für den Radverkehr,
  • die Anlage von Radfahrstreifen,
  • die Einrichtung von Fahrradstraßen im Verlauf geplanter Velo-Routen,
  • die Einrichtung unechter Einbahnstraßen in vorhandenen und geplanten Tempo 30-Zonen sowie auf vereinzelten verkehrsberuhigten Straßen und
  • die verstärkte Einrichtung von Velo-Routen im Kölner Stadtgebiet.

    Als wesentliche Aufgaben des örtlichen Handlungsprogramms ergeben sich somit die Öffnung von Einbahnstraßen, die Markierung von Schutzstreifen, der Bau von Fahrradabstellanlagen und die Öffentlichkeitsarbeit.

Öffentlichkeitsarbeit

Radverkehrsplanung besteht nicht nur aus der Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur. Auch die Information und Beratung der Bürgerinnen und Bürger sind zentrale Bestandteile der Radverkehrsförderung. Werbe- und Informationskampagnen und öffentlichkeitswirksame Aktionen werben für den Radverkehr und machen das Thema einem breiten Publikum zugänglich. Schließlich soll deutlich gemacht werden, dass in der verstärkten Nutzung des Fahrrades ein Schlüssel zur Linderung und in weiten Teilen sogar zur Lösung der Verkehrsprobleme liegt. In den Köpfen aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer muss sich das Bewusstsein durchsetzen, dass Rad fahren nicht Verzicht des Einzelnen bedeutet, sondern einen Gewinn für alle darstellt. Öffentlichkeitsarbeit, Werbung und Marketing werden deshalb im Zusammenhang mit dem Projekt "Fahrradfreundliches Köln" groß geschrieben.

1992 fanden Verkehrssicherheitstage unter dem Motto "Köln - Stadt (auch) fürs Rad!" statt. Auf der innerstädtischen Großveranstaltung stand erstmals der Kölner Radverkehr im Mittelpunkt. Auch bei den Verkehrssicherheitsaktionen des Jahres 1994 spielte der Radverkehr eine zentrale Rolle. Seit 1993 wirbt die Stadt Köln in den Stadtinformationsanlagen und in allen Bussen und Bahnen für den Radverkehr: "Umsteigen auf Umwelt! Damit Köln lebenswert bleibt!" lautet hier die Devise. Seit 1993 beteiligt sich die Stadt auch an der Intercycle Cologne und an der IFMA.

Seit 1995 läuft die Kampagne "Steig um - steig auf!", die jedes Jahr unterschiedliche Themenfelder aufgreift. 1995 stand der Berufsverkehr, 1996 der Einkaufsverkehr und 1997 der Freizeitverkehr im Mittelpunkt, 1998 spielten gesundheitliche Aspekte eine zentrale Rolle. Auf große Resonanz stieß auch der Wettbewerb "Fahrradfreundlichster Arbeitgeber".

Im Rahmen der Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen "Ordnungspartnerschaften in NRW - Mehr Sicherheit in Städten und Gemeinden" besteht seit Anfang 1999 eine ordnungspartnerschaftliche Kooperation zwischen der Stadt Köln, der Polizei Köln und dem ADFC Köln im Bereich des Radverkehrs. Durch intensive Zusammenarbeit soll mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket aus aufklärerischer, erzieherischer und vorbeugender Arbeit die Sicherheit und Ordnung im Bereich des Radverkehrs gewährleistet werden.

Um die Bürgerinnen und Bürger über neueste Entwicklungen zum Thema Radverkehr zu informieren, werden regelmäßige Veranstaltungen vor Ort durchgeführt. Zudem gibt die Stadt kontinuierlich aktuelle themenbezogene Prospekte heraus. Einen umfassenden Überblick über die bereits realisierten und geplanten Maßnahmen zur Radverkehrsförderung gibt die 40-seitige Broschüre "Fahrradfreundliches Köln".

Ausblick

Mit dem Modellvorhaben "Fahrradfreundliche Stadt Köln" wird ein Maßnahmenpaket umgesetzt, das eine umweltverträgliche und wohnumfeldgerechte Integration des Verkehrs ermöglicht. Da der Radverkehr zu den ökologisch verträglichsten Verkehrsarten zählt, muss sein Anteil im Bereich kurzer und mittlerer Entfernungen weiter gesteigert werden. Insbesondere in Großstädten und Ballungsräumen wie Köln sind in der Regel kürzere Wege zurückzulegen als im ländlichen Raum. Hier kann das Fahrrad als alltagstaugliches Verkehrsmittel seine Vorteile besonders gut ausspielen und im Verbund mit dem ÖPNV Verkehrsprobleme entschärfen und lösen.

In Köln gilt daher die Devise: "Investitionen in den Radverkehr sind sinnvolle verkehrspolitische Investitionen und damit auch Investitionen in die Zukunft." Insofern ist die Stadt bestrebt, neue Wege in Sachen Radverkehr zu gehen, innovativ und systematisch zu arbeiten und die vielfältigen Probleme pragmatisch und anwendungsorientiert zu lösen. Sie wird der Förderung des Radverkehrs auch weiterhin besondere Aufmerksamkeit schenken, zumal damit weitreichende Möglichkeiten zur Steigerung stadt- und straßenräumlicher Qualitäten verbunden sind. Viele Schritte sind bereits getan, weitere werden folgen.