Stadt Iserlohn - Eine Zwischenbilanz

Die 'Waldstadt' Iserlohn ist mit fast 100.000 Einwohnern die größte Stadt im Märkischen Kreis und liegt im Übergangsbereich zwischen Ruhrgebiet und Sauerland. Das Mittelzentrum ist traditionell geprägt durch die metallverarbeitende Industrie. Ansässig sind aber auch führende Betriebe aus den Bereichen Kunststoff, Pharmazie und Entsorgung/Recycling. Iserlohn gilt als attraktive Einkaufsstadt weit über ihre Grenzen hinaus. Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zählt die Dechenhöhle im Stadtteil Letmathe - eine der größten und schönsten Tropfsteinhöhlen Deutschlands.

Wegen der fürs Radfahren ungünstigen topographischen Voraussetzungen - die Höhenunterschiede im Stadtgebiet betragen 400 m - ist Iserlohn als Mitglied der AGFS sicherlich ein außergewöhnlicher Partner. Dennoch wird die schwerpunktmäßige Förderung des Radverkehrs seit Beginn der 90er Jahre kontinuierlich betrieben, sodass auch positive Effekte im Mobilitätsverhalten der Iserlohner Bürgerinnen und Bürger im Alltagsverkehr wahrnehmbar sind. Die Länge des Radverkehrsnetzes in Iserlohn beträgt z.Zt. mehr als 60 km.

Stadtbahnhof: Radverkehrsnetz NRW

Das Projekt "Fahrradfreundliche Stadt Iserlohn"

Mit dem 1994 selbst erarbeiteten und von den politischen Gremien beschlossenen Radverkehrskonzept bewarb sich die Stadt Iserlohn für die Aufnahme in die AGFS und konnte - nach Umsetzung eines Sofortmaßnahmen-Programmes - 1996 als 21. Mitglied aufgenommen werden. Damit hatte sich die Stadt Iserlohn verpflichtet, den Radverkehr schwerpunktmäßig zu fördern.

Nachfolgend aufgeführte Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs entstammen der konzeptionellen Vorarbeit und sind seit Iserlohns Mitgliedschaft in der AGFS umgesetzt (Stand Januar 2012):

Bauliche Maßnahmen

  • Fuß- u. Radweg Kalthof-Hennen - entlang der Bahn (1,9 km)
  • Fuß- u. Radweg Baartal - 2. BA, Kalthof-Helle (2,0 km)
  • Fuß- u. Radweg Baartal - 3. BA, Helle-Hennen (0,9 km)
  • Fuß- u. Radweg Rheinener Straße - Rheinen-Hennen (1,0 km)
  • Fuß- u. Radweg Bahnhofstraße - Brücke Letmathe (0,1 km)
  • Fuß- u. Radweg ehem. Bahntrasse Iserlohn-Hemer (3,1 km)
  • Fuß- u. Radweg Hansbergstraße (0,2 km)
  • Fuß- u. Radwege am Stadtbahnhof und Rahmenstr. (0,6 km)
  • Fuß- u. Radwege Schlesische Straße (2,2 km)
  • Fuß- u. Radweg Alexanderstraße (0,5 km)
Kreisverkehrsplatz am Stadtbahnhof

Markierungsmaßnahmen

  • an der Dortmunder Straße (Radfahrstreifen)
  • am Theodor-Heuss-Ring (Bus/Rad-Spuren, Schutzstreifen)
  • am Kurt-Schumacher-Ring (Bus/Rad-Spuren, Furten)
  • am Konrad-Adenauer-Ring (Abbiegestreifen, Furten)
  • An der Schlacht / Hohler Weg (Abbiegestreifen, Furten)
  • an der Baarstraße (Bus/Rad-Spuren, Furten)
  • an der Almeloer Straße (Schutzstreifen)
  • An Pater und Nonne (Radfahrstreifen, Furten)
  • Berliner Allee (Furten, Schutzstreifen)
  • Mühlenstraße (Schutzstreifen)
  • am neuen Stadtbahnhof (Furten, Radfahrstreifen)
  • Alexanderstraße (Furten, Abbiegestreifen)
  • und eine Vielzahl kleinerer Furtmarkierungen vornehmlich im innerstädtischen Bereich.
Kurt-Schumacher-Ring: Rad - Bus - Pkw

Beschilderungsmaßnahmen

  • Fahrradstraßen:
    Stennerstraße - Piepenstockstraße - Schleddenhofer Weg
  • Sonderfahrstreifen Bus/Rad:
    am Kurt-Schumacher-Ring, Theodor-Heuss-Ring, an der Baarstraße sowie An der Schlacht
  • Freigabe von Gehwegen:
    An Pater und Nonne, Hagener Straße, Dortmunder Straße, Berliner Allee, Westfalenstraße, Schlesische Straße, Baarstraße, Mühlenstraße, Hellweg, Schapker Weg, Lennedamm und Fritz-Kühn-Platz
  • Öffnung von Einbahnstraßen:
    z.Zt. sind 33 Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet - weitere sind geplant
  • Sackgassen-Beschilderung:
    alle Sackgassen, an deren Ende ein Durchgang bzw. eine Durchfahrt für Radfahrer besteht, sind mit einem zusätzlichen Aufkleber (Gem. F+R) gekennzeichnet.

Abstellanlagen

  • Bike & Ride Anlagen am Stadtbahnhof, an den Bahnhöfen Letmathe und Kalthof sowie an den Bahnhaltepunkten Hennen und Iserlohner Heide mit insgesamt 62 verschließbaren Fahrradboxen für Pendler.

  • Eine zentrale, überdachte Sammel-Abstellanlage am Marktplatz und etwa 80 dezentral verteilte Edelstahl-Anlehnbügel in der Innenstadt.
30 Fahrradboxen am Stadtbahnhof

Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation

Um die Planungen zur Förderung des Radverkehrs für alle Bürgerinnen und Bürger transparent zu machen, werden alle Maßnahmen von einer intensiven Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Denn nur, wenn der Nutzen für die Allgemeinheit und die neuen Möglichkeiten für den Einzelnen plausibel sind, können Autofahrer zum Umsteigen auf das Fahrrad motiviert werden.

Ein wichtiges Instrument der Kommunikation ist der Iserlohner Fahrradstadtplan, der bisher in drei Auflagen (1995, 2005, 2010) mit insgesamt über 20.000 Exemplaren erschienen ist. Man bekommt ihn für wenig Geld in der Stadtinformation am Bahnhofsplatz.

Die Fahrrad-Promenaden Iserlohns

1. Radweg im Baartal

Der Radweg im Baartal ist insgesamt 11 km lang und stellt eine landschaftlich reizvolle und für den Freizeit- wie Alltagsradverkehr hochwertige Verbindung entlang des Baarbachs zwischen dem Seilersee und dem Ruhrtal dar. Er verläuft parallel zur B 233 in der Nord-Süd-Entwicklungsachse Iserlohns und verbindet das Zentrum mit den Stadtteilen Iserlohner Heide, Sümmern, Kalthof und Hennen.

Der erste - separat geführte - Abschnitt zwischen dem Museumsdorf Barendorf und Kalthof mit den Anbindungen zur Innenstadt und zum Seilersee wurde bereits 1986 fertiggestellt und hatte für die Radverkehrsförderung in Iserlohn die signalgebende Bedeutung. Der zweite Abschnitt zwischen Kalthof und der Helle im Süden Hennens entstand 2001 nach langwierigen Grunderwerbsverhandlungen. Mit der Umsetzung des dritten Abschnitts im Jahr 2006 konnte anschließend eine direkte Anbindung des Stadtteils Hennen realisiert und somit zunächst ein bedarfsgerechter Endpunkt der Promenade verwirklicht werden. Ein vierter und letzter separat geführter Abschnitt, der den direkten Anschluss an das Ruhrtal und damit an die dort verlaufenden Radfernwege erzeugt, ist noch in Planung.

Der Radweg im Baartal ist seit 2005 auch Teil des Radverkehrsnetzes NRW und somit auch von überregionalem, radtouristischen Interesse. Zur Bewerbung des Radwegs ist im Jahr 2006 mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW ein mehrfarbiger Folder erschienen, der in öffentlichen Gebäuden und in Gastronomiebetriebe entlang der Strecke ausliegt (Auflage: 10.000 Stck.).

Vergnügen pur: Der Radweg im Baartal

2. Radweg "Alte Bahntrasse"

Die zu einem Fuß- und Radweg umgebaute, ehemalige Bahntrasse Iserlohn-Hemer erfreut sich in der Bevölkerung Iserlohns größter Beliebtheit. Zwischem dem neuen Stadtbahnhof und der Hansbergstraße im Bereich der Stadtgrenze ist diese promenadenartig ausgebaute West-Ost-Achse insgesamt 3,1 km lang und durchweg 3 m breit asphaltiert. Insbesondere die nahe gelegene Innenstadt ist über die Anschlüsse Poth, Wiemer und Karlstraße bequem und schnell erreichbar.

Fast die gesamte Strecke verläuft steigungsfrei durch einen grünen Korridor. Spaziergänger, Alltags- und Freizeitradler, Jogger, Inliner, Skater und Nordic Walker - die ganze Palette Nichtmotorisierter trifft man hier an. Durch die Aufnahme dieser Verbindung ins Radverkehrsnetz NRW ist der Fuß- und Radweg auf ganzer Länge bis nach Hemer gut ausgeschildert. Das Areal der Landesgartenschau Hemer 2010 konnte mit dem Rad über diese - auch als 'Schmetterlingsroute' gekennzeichnete Strecke - in einer knappen halben Stunde erreicht werden.

Im Jahr 2009 fertiggestellt: Der 3,1 km lange Radweg "Alte Bahntrasse"

Freizeit und Radtouristik

1. RuhrtalRadweg

Der RuhrtalRadweg ist ein radtouristisches Gemeinschaftsprojekt des Ruhrgebietes und des Sauerlandes - zweier Regionen, die traditionell besonders stark miteinander verflochten sind. Der RuhrtalRadweg bietet die Chance, die außergewöhnlichen Potenziale des Ruhrtals als zusammenhängenden Kultur- und Landschaftsraum touristisch zu erschließen, indem die Ruhr als überregional bekannter Fluss in den Mittelpunkt gestellt wird.

Der RuhrtalRadweg ist zwischen der Quelle in Winterberg und der Rheinmündung in Duisburg insgesamt 230 km lang. Davon führen etwa 3,5 km durch den Iserlohner Norden. Im Bereich des Hofes "Ohler Mühle" (hier mündet der Baarbach in die Ruhr) ist neben einem Info-Portal auch der geographische Mittelpunkt des RuhrtalRadwegs entsprechend beschildert.

Weiter Infos zum RuhrtalRadweg unter: www.ruhrtalradweg.de

2. Lenneroute

Die Lenneroute ist ein Gemeinschaftsprojekt von elf Städten und Gemeinden entlang der Lenne sowie dem Märkischen Kreis, dem Kreis Olpe und dem Hochsauerlandkreis - betreut und koordiniert vom ADFC Märkischer Kreis e.V.. Eröffnet wurde die Lenneroute vom damaligen Verkehrsminister Horstmann im Jahre 2005.

Auf einer Länge von fast 150 km verläuft die Lenneroute quer durch das gesamte Sauerland. Von der Quelle in Winterberg bis zur Mündung in die Ruhr am Hengsteysee in Hagen führt die Route auf erholsame Weise durch malerische Täler und Dörfer. Etwa 7,5 km lang ist der Abschnitt im Iserlohner Stadtgebiet. Eine ausgeschilderte Alternativstrecke durch die Letmather Geschäftsmeile lädt zum Einkaufsbummel oder zum Verweilen ein.

Weitere Infos zur Lenneroute unter: www.lenneroute.de

3. Kaiser-Route

Ein reizvoller Gedanke, auf der Kaiser-Route den Spuren Karls des Großen von Aachen bis nach Paderborn zu folgen. Die mit der Kaiserkrone bedruckten Schilder weisen entlang der insgesamt ca. 480 km langen Strecke Radtouristen den Weg zu zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die an die Karolinger Zeit erinnern.

In Zusammenarbeit mit anliegenden Kreisen, Städten und Gemeinden hat die Touristikzentrale Paderborner Land e.V. di Kaiser-Route initiiert, beschildert und anlässlich der Landesgartenschau in Paderborn 1994 eröffnet. Der 3,5 km lange Abschnitt auf Iserlohner Stadtgebiet befindet sich im Ruhrtal - und zwar entlang von Ruhrtalstraße, Letteweg, Ruhrweg und Lenninghauser Weg.

4. Rundkurs Ruhrgebiet

Der ca. 350 km lange lange Rundkurs Ruhrgebiet durchzieht die historisch und geographisch sehr unterschiedlich strukturierten Randzonen des Ballungsraumes zwischen dem südlichen Münsterland und der Börde im Norden sowie dem unteren und mittleren Ruhrtal im Süden - der Wiege der Industrialisierung des Ruhrgebietes.

Innerhalb des Stadtgebietes Iserlohn verläuft der beschilderte Rundkurs - parallel zu RuhrtalRadweg und Kaiser-Route - auf gleichen Wegen.

Weitere Infos unter: www.route-industriekultur.de

5. Seit April 2011: 'Radeln mit Anschub'

Lächelnd mit dem Rad durch die hügelige Landschaft des Sauerlandes ist in Iserlohn kein Problem mehr: Der Verkehrsverein und acht Hotel- und Gastbetriebe haben insgesamt 28 E-bikes angeschafft, mit denen Touristen und Einheimische gegen eine Leihgebühr die Umgebung erkunden können. Dazu erhalten alle Interessenten außerdem GPS-Geräte mit sieben - vom ADFC Iserlohn ausgearbeiteten - Touren, Kartenmaterial und viele hilfreiche Tipps für Ihre Radtour rund und durch die Waldstadt Iserlohn. 'Radeln mit Anschub' lautet das Motto der Aktion, die das Radfahren im hügeligen Iserlohn noch populärer machen soll.

Alle Infos hierzu unter: www.iserlohn-tourismus.de

Aktuelle Planungen

Im Stadtteil Letmathe wird ein weiterer, promenadenartiger Fuß- und Radweg gebaut, der größtenteils ufernah entlang der Lenne verläuft und den Stadtteil insgesamt erheblich aufwerten und seine Wohn- und Lebensqualität deutlich verbessern kann. Auf einer Gesamtlänge von rund 3 km - aufgeteilt in drei Bauabschnitten - werden die Neubaumaßnahmen als Abschnitt der 'Lenneroute' und im Rahmen der REGIONALE 2013 voraussichtlich in den Jahren 2013 / 14 umgesetzt. Das Gesamtprojekt hat ein Kostenvolumen von ca. 1,8 Mio. € und ist bei der Bezirksregierung bereits vorangemeldet.

Ausblick

Nach mittlerweile 15 Jahren Mitgliedschaft in der AGFS und der zielorientierten Förderung des Radverkehrs in Iserlohn gibt es sowohl in den politischen Gremien als auch in der Bevölkerung nach wie vor eine recht kritische Auseinandersetzung mit diesem Thema. Insbesondere werden immer wieder Markierungsmaßnahmen in der Innenstadt kontrovers diskutiert.

Jede nur speziell auf die Belange des Radfahrers ausgerichtete Planung löst mehr Widerstände aus als dass sie dem Image des Radfahrens Nutzen bringt. Daher kommt den vielen Freizeit-Radwegen wie dem Radweg im Baartal, dem RuhrtalRadweg, der Lenneroute oder dem Radweg auf der alten Bahntrasse eine besondere Bedeutung zu, denn hier können Iserlohner immer wieder das Verkehrsmittel 'Fahrrad' neu entdecken und so für ein insgesamt fahrradfreundliches Klima sorgen.

In Iserlohn werden auch in Zukunft Anstrengungen unternommen, um das Fahrrad als gesundes, umweltverträgliches und platzsparendes Verkehrsmittel besonders zu fördern und seine Anteile am Gesamtverkehr weiter zu steigern. Ein Schwerpunktthema in den nächsten Jahren wird dabei das Thema Kommunikation, um für ein breiteres Verständnis in der Bevölkerung Iserlohns zu werben.

Mit einer Gesamtlänge von mehr als 60 km gekennzeichneter Radwege (Stand: 2012) ist Iserlohn auf bestem Wege, eine noch fahrradfreundlichere Stadt zu werden. Das heute noch lückenhafte Radverkehrsnetz wächst weiter zusammen, damit die zum Teil gegensätzlichen Ansprüche von Freizeit- und Alltagsradverkehr erfüllt werden können - "... und mit der Zeit verschwinden Berge".