Radverkehrsnetz

Als Fortschreibung des Gutachtens wurde das Radverkehrsnetz zunächst 1997 und erneut im Jahr 2010 überarbeitet. Dabei wurden die bis dahin realisierten Maßnahmen zur Netzoptimierung einbezogen. Das Radverkehrsnetz gliedert sich in das ca. 200 km lange Hauptroutennetz, das die Innenstadt mit den Stadtbezirken verbindet, und das Ergänzungsnetz, das die Netzverdichtung innerhalb der Stadtbezirke und Stadtteile herstellt. Die Strecken des Radverkehrsnetzes NRW sind Bestandteil des Hauptroutennetzes und binden zusätzlich die Nachbarstädte an.

Im Straßenraum ergeben die unterschiedlichen Radverkehrsanlagen eine Länge von gut 100 km. Mit den 260 km langen Strecken außerhalb des Straßennetzes – fast ausschließlich in Form gemeinsamer Geh- und Radwege – ergibt sich ein Gesamtwert von 360 km für die Essener Radverkehrsanlagen.

Wegeweisung

Die Wegweisung erweist sich als wichtiger Beitrag zur Qualitätssteigerung des lokalen Radverkehrs. Sie ist dem Alltagsradfahrer eine Orientierungshilfe im Stadtgebiet und bietet dem Freizeitradler durch die Einbeziehung der Themenrouten neue Möglichkeiten. Mit einer integrierten Wegweisung sind bisher das gesamte Hauptroutennetz und die Themenrouten ausgestattet.

Radfahren im Straßenraum

Das Radverkehrsnetz wird aus verschiedenen Netzelementen gebildet, die sich aus den örtlichen Möglichkeiten ergeben: neben den selbständig geführten Radwegen im Grünbereich erfolgt die Führung an Straßen auf Bordsteinradwegen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen oder Fahrradstraßen. Neue Radverkehrsanlagen an Hauptverkehrsstraßen werden überwiegend als Radfahrstreifen hergestellt. Bei Umbaumaßnahmen im Bestand kommen zunehmend Schutzstreifen zum Einsatz. Um die Innenstadt und wichtige Stadtteilzentren umwegfrei und sicher durchqueren zu können, sind in den dortigen Fußgängerzonen die zum Hauptroutennetz gehörenden Verbindungen ganztägig für den Radverkehr freigegeben. An einigen stark frequentierten Straßen ohne Radverkehrsanlagen können Radfahrer/-innen auch den freigegebenen Gehweg mitbenutzen.

Da in allen Wohngebieten außerhalb der Hauptverkehrsstraßen flächendeckend Tempo-30-Zonen eingeführt wurden, kann der Radverkehr dort verträglich mitgeführt werden. Für die Achsen des Radverkehrs-Hauptroutennetzes werden etliche Straßen in Fahrradstraßen umgewandelt. Den bisher 34 Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von 16 km, von denen einige durchgehende Züge bilden, werden in Kürze weitere folgen.

Radfahren im Freiraum

Das Radverkehrsnetz verläuft nicht nur über Straßen und straßenbegleitende Radwege, sondern auch auf gemeinsamen Geh- und Radwegen über Abschnitte im Freiraum, z.B. entlang von Gewässern, durch Grünanlagen und durch Erholungsgebiete. Beste Voraussetzungen für durchgängige, attraktive Radrouten bieten dabei ehemalige Bahntrassen, da sie über geringe Steigungen, ausreichende Breiten und Brückenbauwerke zum kreuzungsfreien Queren von Straßen verfügen. Durch die industrielle Vergangenheit des Ruhrgebiets mit seinen vielen Güterbahnen und durch den darauf folgenden Strukturwandel, der viele dieser Bahntrassen ihrer Aufgabe entledigte, konnten etliche Streckenabschnitte zu beliebten Rad- und Wandertrassen umgebaut werden. In jüngster Zeit erhielten sogar längere Strecken eine Asphaltdecke, wodurch sie sich auch gut für den Alltagsradverkehr eignen.

Eine Sonderstellung unter den Bahntrassenradwegen nimmt die Trasse der Rheinischen Bahn ein. Diese erst 2002 stillgelegte Strecke wird auf 21 km die hochwertige Verbindung vom Nordrand der Essener City zum Rhein in Duisburg herstellen und dabei die beiden Campi der Universität Duisburg-Essen verbinden. Der erste, knapp 5 km lange Abschnitt von Essen-Mitte bis zur Stadtgrenze Mülheim wurde 2010 vom Regionalverband Ruhr realisiert, der etliche regionale Radverkehrsverbindungen im Ruhrgebiet erstellt. Damit existiert in Essen bereits das erste Teilstück des in Planung befindlichen Radschnellwegs Ruhr, der parallel zur A40 verlaufen und von Duisburg über Essen und Dortmund bis Hamm führen soll.

Ergänzt wird dieses „Bahntrassennetz“ durch das städtische Programm „Neue Wege zum Wasser“, bei dem im Zuge der naturnahen Umgestaltung des Emschersystems die erforderlichen begleitenden Wirtschaftswege für den Fuß- und Radverkehr zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt ergibt sich so ein attraktives Netz von Wegeverbindungen im Grünen.

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