Duisburg, Fahrradstadt mit Tradition

Duisburg 1966

Fahrradfahren hat in Duisburg Tradition. Als niederrheinische Metropole bietet Duisburg dazu hervorragende topografische Voraussetzungen. Und auch in der Verkehrsinfrastruktur hat das Fahrrad immer eine wichtige Rolle eingenommen. Radwege wurden immer zusammen mit Straßen geplant und gebaut.

Die Verdrängung des Fahrrades mit steigendem Wohlstand in den 60er Jahren fand zum Teil auch ihre Auswirkung auf die Infrastruktur. Mehr Raum für den motorisierten Individualverkehr ging leider an einigen Straßenzügen auch zu Lasten der Radverkehrsinfrastruktur. Dennoch wurden Radverkehrsanlagen bei Neuplanungen nach dem damaligen Stand der Verkehrsplanung berücksichtigt.

Eine Renaissance erlebte die Radverkehrsplanung in den 90er Jahren. Der Fokus wird auf Radverkehrsnetze gelegt, im Radverkehrsanlagenplan werden Lücken im Radverkehrsnetz identifiziert und Lückenschlüsse in kurz- und mittelfristige Planungen aufgenommen.

Radverkehrsinfrastruktur

Duisburg verfügt über ein gut ausgebautes Radverkehrsnetz. Straßenbegleitende Radverkehrsanlagen sind an Hauptstraßen immer mit geplant worden. Aktuell verfügt Duisburg bei einem Straßennetz von etwa 1.250 Kilometern über 410 Kilometer Radverkehrsanlagen als Radwege, Radverkehrsstreifen sowie Sicherheitsstreifen auf der Fahrbahn. Hinzu kommt ein gut ausgebautes Netz durch Grünzüge, an Duisburgs vielen Wasserstraßen und auf ehemaligen Bahntrassen. Das beschilderte Radroutennetz umfasst seit der Beschilderung im Zuge des Landesradverkehrsnetzes inzwischen etwa 225 Kilometer. Weitere 92 Kilometer Strecken sind als Velorouten zur Netzergänzung geplant.

Jährlich werden im Durchschnitt etwa 5.000 Meter neu gestaltete Radverkehrsanlagen im Straßenraum fertig gestellt, davon der größte Teil als Radfahrstreifen auf der Fahrbahn markiert bzw. wo der Straßenquerschnitt nicht ausreichte als Sicherheitsstreifen ausgewiesen. Hinzu kommen Wegeergänzungen und Netzschlüsse im Grün- und Freiraum.

Innenstadtquerung

Ein Beispiel für die neue Radverkehrsinfrastruktur ist die Neugestaltung der Innenstadt Ost-Westverbindung, parallel zur Fußgängerzone Königstraße, von der Mülheimer Straße über den verkehrsberuhigten Opernplatz bis zum Rathaus. Hier konnten durchgängig Radfahrstreifen auf der Fahrbahn angelegt werden, die Ampeln an 3 Kreuzungen wurden zurückgebaut, Querungshilfen mit Zebrastreifen angelegt und das Tempo auf 30 Km/h reduziert. Damit ist eine äußerst komfortable Querung in der Innenstadt möglich, die Vorbildcharakter für weitere Neubau- und Umgestaltungsmaßnahmen hat.

Die breite Fußgängerzone Königstraße, die bisher als ausgeschilderte Ost-West Radrouten Verbindung fungierte, bleibt aber auch weiterhin als Quell- und Zielort den Radfahrer befahrbar.

Verkehrsberuhigte Plätze

Mit der Umgestaltung von Straßenräumen zu verkehrsberuhigten Plätzen hat Duisburg bereits einen anerkannten Weg eingeschlagen. 2007 wurde der Opernplatz in der Innenstadt zu einem verkehrsberuhigten Platz ausgebaut. 2010 konnten aus dem Konjunkturpaket II fünf Verkehrsräume zu barrierefreien und verkehrsberuhigten Plätzen in Stadtteilzentren neu gestaltet werde. In einer in Auftrag gegebenen Studie unter dem Titel „Platz für alle!?“ wurde in einer Befragung von Verkehrsteilnehmern und Fachexperten ermittelt, wie die Akzeptanz und das Verhalten der Verkehrsteilnehmer zu bewerten ist. Die Studie brachte neben wichtigen Erkenntnissen zu notwendigen Gestaltungserfordernissen zu Tage, dass die meisten Nutzer dieser Plätze sich mehr solcher Umgestaltungen im Stadtgebiet wünschen. Und auch die befragten Experten hatten neben kleineren Änderungswünschen keine grundsätzlichen Probleme mit den barrierefreien Plätzen. Insgesamt fördern diese Art der Verkehrsflächengestaltung die Nahmobilitätssysteme, indem sie ein großzügigeres und komfortables Infrastrukturangebot für die umweltverträgliche Mobilität zur Verfügung stellen. Der eingeschlagene Weg ist richtig und soll bei entsprechenden finanziellen Spielräumen weitergegangen werden.

Metropolradruhr

Dienstrad des OB Duisburg

An 30 Stationen im Stadtgebiet kann das ruhrgebietsweit erhältliche Mietradsystem jetzt entliehen werden. Dieses Stadtradsystem dient dem Nachverkehr und damit der idealen Ergänzung zum ÖPNV. Regionalverband Ruhrgebiet und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr sind Partner für Marketing und Organisation des Systems. Ausleihzahlen nehmen mit Inbetriebnahme der Stationen deutlich zu und weisen auf eine gute Nachfrage in Duisburg hin. Duisburg verfügt damit Ende 2012 über ein gut ausgebautes City – Mietradsystem, das im Verbund mit 9 weiteren Ruhrgebietsstädten eine neue Nahmobilität ermöglicht. In Duisburg steht dieses System auch allen städtischen Mitarbeitern als Dienstrad zur Verfügung und trägt damit auch zur Erfüllung des Luftreinhalteplans bei.

Radtouristische Angebote

Duisburg liegt an der Mündung der Ruhr in den Rhein. Zwei große überregionale Radwege treffen hier aufeinander. Rheinradweg und Ruhrtalradweg sind wichtige Achsen für den Radtourismus. Hier wird intensiv an einer Weiterqualifizierung der Trassen gearbeitet. Für die letzten 3 Kilometer bis zur Mündung in den Rhein gibt es ein Ausbauprogramm, das der zunehmenden Bedeutung des Ruhrtalradweges gerecht wird: Vor allem wird hier an der separaten Führung und der kreuzungsfreien Querung der Ruhrorter Straße, einer Hauptverkehrsstraße, gearbeitet.

Der Emscher Park Radweg, ein weiterer wichtiger radtouristischer Radweg im Ruhrgebiet, ist im Rahmen des Zertifizierungsverfahrens ebenfalls in der Überarbeitung. Querschnitte und vor allen Dingen auch Querungen werden vereinheitlicht und dem aktuellen Stand angepasst.

In einer Studie der Ruhrtourismus GmbH wurde der wirtschaftliche Effekt des RuhrtalRadweges untersucht. Bei 1,25 Mio. touristischen Aufenthaltstagen pro Jahr und 14,20 € Ausgabe pro Tagesgast und 75,60 € pro Übernachtungsgast ergibt sich ein Bruttoumsatz von 26,9 Mio € durch Touristen, die den RuhrtalRadweg bereisten.

Das Netz der Niederrheinroute führt über zwei vom Norden bis in den Süden der Stadt verlaufende Trassen. Hier ist die Vielfalt der Duisburger Stadtstruktur besonders gut erlebbar. Wald, Seen und Freiräume wechseln sich ab mit Industriekulissen und idyllischen Wohnquartieren.

Für Touristen bietet Duisburg diese abwechslungsreichen Netzangebote. Zwei Mietradsysteme stehen hier Touristen zur Verfügung: Das Revierrad, an 25 Mietstationen im Ruhrgebiet zu entleihen bzw. zurückzugeben, erschließt das radtouristische Angebot des Ruhrgebietes, mit dem Niederrheinrad, an 50 Stationen in der Region erhältlich, bietet die Möglichkeit für Erkundungen des Niederrheins westlich von Duisburg. Beide Systeme stehen an der Radstation am Hauptbahnhof in Duisburg sowie am Landschaftspark Duisburg-Nord zur Verfügung und ermöglichen damit auch Einwegtouren (in Duisburg leihen, in Essen abgeben).

Öffentlichkeitsarbeit

Das Fahrrad als Alltagsverkehrsmittel in Duisburg weiter zu etablieren ist ein wesentliches Ziel der Öffentlichkeitsarbeit. Im Rahmen der Umwelttage findet jährlich in der City ein Umweltmarkt statt. Unter dem Motto „Start in den Duisburger Fahrradsommer“ wird seit einigen Jahren auch das Thema umweltfreundliche Mobilität hier präsentiert. Händler zeigen ihr Angebot, Verbände, Initiativen und Touristiker bieten reichhaltige Informationen zum Thema umweltverträgliche Nahmobilität, Radverkehr und Radurlaub. Angegliedert ist ein Gebrauchtradmarkt.

Mit dem „Fahrradportal Duisburg“ www.duisburg.de/radverkehr bietet die Stadt auch im Internet einen reichhaltigen Überblick über Fahrradaktivitäten. Allein über dreißig unterschiedliche Tourentipps durch Duisburg sind hier abrufbar. Hier können auch GPS Daten zum Nachfahren der Touren heruntergeladen werden. Anbieter geführter Radtouren haben die Möglichkeit, ihre Angebote über diese Seite zu verbreiten.

Mit dem Aufbau eines Arbeitskreises zur Verkehrssicherheit, an dem sich bisher die Polizei Duisburg, die Bürgerstiftung Duisburg, die DVG, das Ordnungsamt und das Stadtentwicklungsdezernat beteiligen, konnten Aktionen für die verkehrsberuhigten Plätze und für Senioren im Straßenverkehr durchgeführt werden. Unter dem Titel „Duisburg. Aber sicher!“ fanden Aktionen im Straßenraum statt. Hier ging es immer um die Belange der schwachen Verkehrsteilnehmer, der Fahrradfahrer und der Fußgänger. Die Unterstützung der Verkehrserziehung an Grundschulen und die Verkehrssicherheitsarbeit an weiterführenden Schulen, z. B. mit der jährlich statt findendent „Akion Licht“ unterstützen den Radverkehr.

Machbarkeitsstudie Radschnellweg Ruhr

Der RVR hat unter Beteiligung der anliegenden Kommunen das Projekt Radschnellweg Ruhr gestartet. Duisburg ist mit einem Abschnitt von etwa 6 Kilometern Länge bis zum Rhein beteiligt. Das Projekt ist von herausragender strategischer Bedeutung für die Realisierung einer zukunftsweisenden urbanen Mobilität. Das Ruhrgebiet kann mit einer Planung eines Radschnellweges mit bis zu 100 Kilometern Länge von Hamm bis Duisburg ein bundesweit bedeutsames Modellprojekt entwickeln.

Ein Radschnellweg macht die Nutzung des Fahrrades als Alltagsverkehrsmittel deutlich attraktiver. Die Reduzierung von Fahrzeiten und die schnelle Verbindung von Wohn- und Arbeitsquartieren durch eine gut befahrbare und sichere Infrastruktur wird den Umstieg auf das Verkehrsmittel Fahrrad oder auch Pedelec deutlich erleichtern.