Stadt Bocholt

Bau- und Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (vorne links) überreicht Bürgermeister Peter Nebelo die Ernennungsurkunde. Bocholt gehört jetzt zum Kreis der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte NRW. (Foto: Stadt Bocholt)

"Jeder Weg mit dem Rad ist ein guter Weg"

Die Stadt Bocholt ist jetzt Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte NRW. Am Mittwoch, 14. Oktober, nahm Bürgermeister Peter Nebelo von NRW Bau- und Verkehrsminister Lutz Lienenkämper im Borkener Kreishaus die Ernennungsurkunde entgegen. Ebenfalls aufgenommen wurde auch die Gemeinde Reken sowie der Kreis Borken als Region. Ziel der Initiative ist der Aufbau eines kommunalen Netzwerks zur landesweiten Stärkung des Radverkehrs.

Nunmmehr gehören der Arbeitsgemeinschaft 56 Städte und Kreise an, fünf davon aus dem Westmünsterland. Zugleich kann die Stadt nun Schilder aufhängen mit dem Hinweis "Fahrradfreundliche Stadt in NRW". Dieses Prädikat wird zunächst für sieben Jahre vergeben.

"Bocholt freut sich über die Aufnahme in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte in Nordrhein Westfalen", kommentierte Bocholts Bürgermeister Peter Nebelo. "Es ist sehr zu begrüßen, dass die Bedeutung des Radverkehrs in den Kommunen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Dies zum Beispiel vor dem Hintergrund klimafreundlicher Verkehrswege, aber auch mit Blick auf eine stärkere touristische Nutzung. Gerade das Münsterland mit den angrenzenden Niederlanden ist ein Magnet für ausgiebige Radtouren. Das muss als Wirtschaftsfaktor erkannt und ausgebaut werden."

Fahrradfreundlichkeit, so Nebelo, sei in Bocholt "beileibe kein Fremdwort: In den Jahren 2004 und 2005 konnten wir den Titel "Fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands" in der Kategorie unter 100.000 Einwohnern gewinnen, ausgelobt vom "Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club". Bocholt will seine zahlreichen Erfahrungen in Sachen "Radverkehr" nun in die Arbeitsgemeinschaft mit einbringen und gleichzeitig von anderen Städten lernen. Denn jeder Weg, der mit dem Rad und nicht mit dem Auto zurückgelegt wird, ist ein guter Weg." In Bocholt würden derzeit schon rund 35 Prozent der Wege mit dem Rad absolviert, meinte Nebelo. "Wir wollen diese Latte in den nächsten Jahren mutig nach oben legen und die 50 Prozent anpeilen."

"NRW ist Radfahrland Nummer eins!" Diese These untermauerte zuvor Minister Lutz Lienenkämper mit reichlich Zahlen. Das Land fördere jährlich den kommunalen Radwegebau mit 30 Mio. Euro und schaffe allein Bürgerradwege von 110 Kilometer Länge. Immer noch werde die Bedeutung des Radverkehrs unterschätzt, meinte Lienenkämper: "Dabei ist Radverkehr längst ein Wirtschaftsfaktor." Im Münsterland seien mit dem Bereich Radtourismus rund 6.000 Arbeitsplätze verknüpft; 8,3 Mio. Radler besuchten jährlich die Region, und jeder davon spüle statistisch gesehen rund 160 Euro in die lokale Wirtschaft, was jährlich rund 1,3 Milliarden Euro ausmache, rechnete der Minister vor. Sein Fazit: "Radfahren kennt nur Gewinner: Radler, Wirtschaft, Umwelt." Bocholt werde die Arbeitsgemeinschaft als neues Mitglied "mit vielen guten Ideen bereichern."

Im März hatte der Bocholter Stadtrat beschlossen, einen Aufnahmeantrag in das Netzwerk der Fahrradstädte zu stellen. Ausgangspunkt hierfür wiederum war ein Beschluss der Bürgermeisterkonferenz aus Februar 2008, wonach sich der Kreis Borken zum Ziel setzt, der erste flächendeckend fahrradfreundliche Kreis im Land zu werden. Anfang September dann hatte eine neunköpfige Auswahlkommission die Aa-Stadt mit dem Rad erkundet. Bocholt stellte sich als "Stadt der kurzen Wege" vor.

Ihren bundesweit guten Ruf als "Fahrrad-Mekka" verdankt die 75.000 Einwohner zählende Stadt im Westmünsterland zwei Auszeichnungen. In den Jahren 2004 und 2005 gewann Bocholt für seine besonders fahrradfreundliche Infrastruktur den vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) vergebenen Preis "Fahrradfreundlichste Stadt unter 100.000 Einwohnern". Mit diesem Label wirbt die Stadt mittlerweile auch offensiv in ihrer Außendarstellung, z.B. auf Ortseingangsschildern.

Das Fahrrad als Verkehrsmittel spielt auch künftig bei Straßen- und Siedlungsplanung, bei Verkehrserziehung und im Tourismus eine wichtige Rolle. Neben dem Ausbau des vorhandenen Radnetzes werden in den nächsten Jahren weitere Schwerpunkte gesetzt. So soll das Rad verstärkt als Transportvehikel z.B. bei Einkäufen etabliert werden. Außerdem sind Radschnellwege geplant, also hindernisfreie Radwege mit einer Art "grünen Welle" für Radler. Parallel wird an Sicherheitsaspekten bei Ampelschaltungen gearbeitet. Radtouristen sollen ihre Velos künftig an "Lufttankstellen" versorgen können. Aktionen wie ein Radaktionstag, eine Radmesse und eine spezielle Internetplattform sollen in der Bevölkerung für das Fahrrad als umweltfreundliche Alternative zum Auto werben.

Quelle: Presseamt Stadt Bocholt