Nahmobilität 2.0

Der Übergang in ein neues Mobilitätszeitalter mit einer multimodalen und klimafreundlichen Mobilitätskultur ist bereits eingeleitet. In Zukunft wird sich Mobilität daran messen müssen, wie die knappen Ressourcen "Energie, Raum und Zeit" gesünder und effizienter genutzt werden können. Insofern kann Nahmobilität eine elementare, sogar tragende Rolle spielen − wenn die Voraussetzungen stimmen.

Die vorliegende Broschüre beschreibt und begründet, dass die heutigen infrastrukturellen und verkehrlichen Bedingungen den zukünftigen Leistungs-, Komfort- und Sicherheitsansprüchen einer modernen Nahmobilität nur sehr bedingt gerecht werden.

Mit Nahmobilität 2.0 wird daher ein neuer Konzeptansatz vorgestellt, der die Bedeutung und Funktion der Nahmobilität neu definiert und einen Perspektivenwechsel in der Ausgestaltung der Infrastruktur nahelegt. Für Fußgänger und Radfahrer werden perspektivisch die programmatischen Grundzüge, Bedingungsfaktoren und infrastrukturellen Möglichkeiten beschrieben. Erklärtes Ziel von Nahmobilität 2.0 ist: unsere Städte und Gemeinden zu hochwertigen Lebens- und Bewegungsräumen zu machen, die ein Optimum an Bewegungsmöglichkeiten für alle Verkehrsteilnehmer bieten.

Kurzum: Es geht um eine "neue" Verkehrsinfrastruktur, die allein schon aufgrund ihrer einladenden Gestaltung und Raumangebote "bewegungsaktivierend" ist. Die Zufußgehen und Radfahren selbstverständlich macht und damit Nahmobilität zur "Basismobilität" aufwertet. Dabei soll Bewegung nicht erzwungen werden, sondern Ausdruck eines neuen Selbstverständnisses und Gesundheitsbewusstseins sein.

Im Schulterschluss mit der Landesregierung, die zeitgleich den "Aktionsplan zur Förderung der Nahmobilität" herausgibt, fungiert die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V. (AGFS) qua "Landesarbeitsgemeinschaft" als zentraler Partner in allen Fragen der Nahmobilität. Die neue Broschüre ergänzt und vertieft die Aussagen des Aktionsplans und wirbt für die Umsetzung in der kommunalen Praxis.

Aktionsplan Nahmobilität

Im Land Nordrhein-Westfalen hat das Radfahren Tradition und der Radverkehr genießt seit den 70er Jahren eine kontinuierliche Förderung. Zentrale Partnerin des Landes in allen Fragen der Nahmobilität ist seit mehr als 15 Jahren die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS), die auch bei dem im Jahre 1999 aufgelegten "Aktionsplan zur Förderung des Radverkehrs in NRW" entscheidend mitwirkte, dessen formulierte Ziele und Programme − mit wenigen Einschränkungen - bis heute erreicht und umgesetzt werden konnten. Eine Tatsache, die wesentlich dazu beigetragen hat, dass NRW heute als "fahrradfreundlichstes Bundesland" in der Republik gilt.

Mit "Nahmobilität 2.0" hat die AGFS jetzt federführend eine neue Konzeptidee entwickelt, die dem vorliegenden "Aktionsplan der Landesregierung zur Förderung der Nahmobilität" zugrunde liegt. Der aktuelle Aktionsplan steht zwar in der Nachfolge des vorausgegangenen, markiert aber auch entscheidende inhaltliche und programmatische Veränderungen. Zuvorderst wurde das ursprüngliche Zielbild der AGFS einer "fahrradfreundlichen Stadt/Gemeinde" erweitert und ergänzt durch den Begriff "Nahmobilität".

Nahmobilität bezeichnet die individuelle Mobilität, vorzugsweise zu Fuß und mit dem Fahrrad, aber auch mit anderen nicht motorisierten Verkehrs bzw. Fortbewegungsmöglichkeiten (Inliner, Skater etc.). Damit rückt jetzt neben dem Radverkehr mit dem Fußverkehr eine weitere Verkehrsteilnehmergruppe in den Mittelpunkt.

In Augenschein genommen wird aber auch der immer größer werdende Anteil der Bevölkerung, der in seiner Mobilität limitiert und zum Teil auf Rollatoren und Rollstühle angewiesen ist. Der in der UN-Behindertenkonvention formulierte Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Verkehr gehört somit zu den zentralen Maßgaben des Aktionsplans, wenn es um die Ausgestaltung von Verkehrsräumen geht. Als weitere, wesentliche Neuerung wurde im Rahmen des Zukunftskonzepts "Nahmobilität 2.0" die Funktion und Bedeutung der Nahmobilität im Gesamtspektrum Mobilität neu definiert und Aussagen zu einer in Zukunft wesentlich strukturell und qualitativ veränderten Verkehrsinfrastruktur gemacht.

Die gewonnenen Erkenntnisse überraschen nicht: Die gesellschaftlichen Ansprüche nach wohnverträglicher Mobilität, Gesundheit, Lebensqualität, Barrierefreiheit, Ökologie und Nachhaltigkeit erfüllt die Nahmobilität wie kein anderes Verkehrsmittel. Sie ist ein Thema für alle Bevölkerungsgruppen unter besonderer Berücksichtigung der Schutzbelange von Kindern und Älteren, hat Einfluss auf Gesundheit, CO2-Reduktion und Lärm, ist ein Wirtschaftsfaktor (Tourismus, Einzelhandel, Fahrrad- und Bauindustrie) und wirkt maßgeblich auf die privaten und gesellschaftlichen Kosten der Mobilität ein. Dabei nimmt einer der für die Zukunft wesentlichsten Faktoren einer nachhaltigen Planung - der demografische Wandel - eine besondere Stellung ein.

Die Landesregierung sieht die Förderung der Nahmobilität als "ressortübergreifende" Aufgabe. Dies begründet, dass alle Schlüsselressorts der Landesregierung bei der Entwicklung des Aktionsplans mitgestaltend beteiligt waren. Die Intentionen des Aktionsplans sind:

  • die zahlreichen auf Ressortebene laufenden Aktivitäten zu beschreiben und damit die Bandbreite der Nahmobilitätsförderungin Nordrhein-Westfalen zu veranschaulichen
  • die Bausteine sinnvoll zu koordinieren, programmatisch zu bündeln und in einen systemischen Gesamtzusammenhang zu bringen
  • eine effiziente Förderstrategie zu entwickeln, die einen zielgerichteten Mitteleinsatz gewährleistet, um die Inhalte und die Struktur der Förderung im Sinne der Konzeptidee "Nahmobilität 2.0" auszurichten, sowie
  • die hohe verkehrspolitische Bedeutung und den Konzeptansatz "Nahmobilität 2.0" in die Städte und Gemeinden zu transportieren.

Der neue "Aktionsplan der Landesregierung zur Förderung der Nahmobilität" steht für die Gleichwertigkeit und damit auch die Gleichbehandlung aller zur Mobilität zählenden Verkehrsarten zu Lande: Nahmobilität − öffentlicher Personenverkehr− motorisierter Individualverkehr. Die Landesregierung sieht in der Nahmobilität den Grundbausteinfür eine effiziente, gesunde, klima- und ressourcenschonende und nicht zuletzt bezahlbare Mobilität aller Altersgruppen. Sie ist als "Basismobilität" Grundlage jeglicher Mobilität und unabdingbare Voraussetzung für ein gesundes und urbanes Leben in der Zukunftsgesellschaft. Nahmobilität unterstützt das von der AGFS und der Landesregierung avisierte Leitbild der "Stadt als Lebens- und Bewegungsraum".

Im vorliegenden Aktionsplan werden die Potenziale der Nahmobilität, die zukünftige Konzeptidee "Nahmobilität 2.0", die Ziele und Maßnahmen der einzelnen Ressorts sowie die Förderbausteine ausführlich vorgestellt.