AGFS-Exkursion 2016 – Fuß- und Radverkehrsförderung in NRW live

Bei herrlichem Radfahr- und Zufußgehwetter besuchte die AGFS am 30. und 31. August mit einer rund 20-köpfigen Gruppe Städte in Nordrhein-Westfalen. Nach der erfolgreichen Exkursion 2015 nach Kopenhagen, standen diesmal die Erfolge der Kommunen in NRW und speziell der AGFS-Mitglieder bei der Förderung der Nahmobilität im Fokus. Wie im letzten Jahr waren neben dem Fuß- und Radverkehr auch die Integration von gesundheitsförderndem Sport und Bewegung in den Alltag ein Schwerpunkt der Exkursion.

Der fachübergreifende Charakter der Exkursion spiegelte sich in der Teilnehmer-Liste wieder: Neben Mitgliedern des Verkehrsausschusses des Landtages, informierten sich auch der ADFC NRW, die kommunalen Spitzenverbände, Vertreter der Fahrradindustrie, des Verkehrsministeriums und des Sportministeriums über gute Beispiele für Konzepte zur Förderung der Nahmobilität und erlebten vorbildhafte Infrastruktur.

Die erste Station der Exkursion war Wuppertal. Dank der beispiellosen Eigeninitiative der Wuppertaler Bürger entstand in über 200.000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden auf der verwahrlosten, stillgelegten Nordbahntrasse ein 22 km langer Rad- und Fußweg, der in weiten Teilen die Kriterien für Radschnellwege des Landes NRW erfüllt. Die sehr komfortabel zu befahrende Ost-West-Verbindung hat in Wuppertal einen regelrechten Fahrradboom ausgelöst. Dieser Erfolg wurde 2015 mit dem Deutschen Fahrradpreises ausgezeichnet.

Danach ging es weiter zum Lippepark in Hamm. Der insgesamt ca. 270 ha große Sport- und Freizeitpark ist ein herausragendes Beispiel für die Kombination von Mobilität, Sport und Bewegung. In dem Areal werden über verschiedene Angebote, wie z.B. einer Radrenn-Trainingsstrecke, Nordic-WalkingRouten, Barfußpfad, Mountainbike-, Skate- und Parcour Anlage Sport, Bewegung und Erholung angesprochen und gefördert. Gleichzeitig wurden in dem Park bedeutende Nord-Süd- und Ost-West Radverbindungen für die Hammer Bürger geschaffen.

Zu Beginn des zweiten Tages stand die Förderung des Fußverkehrs im Mittelpunkt. In Telgte, einer Kleinstadt in der Nähe von Münster, wurde schon im Planungs-, Beteiligungs- und Entscheidungsprozess über die Sanierungsmaßnahmen in der historischen Altstadt besonders auf die Belange der Barrierefreiheit geachtet. Besonderes Augenmerk wurde bei der Berücksichtigung der Belange von Fußverkehr und Barrierefreiheit darauf gelegt, dass authentische Erscheinungsbild der historischen Altstadt zu erhalten.

Last but not least – der RS1: Bei einer Exkursion über die Erfolge der Nahmobilitätsförderung darf der Radschnellweg Ruhr nicht fehlen. Der RS1 ist das Leuchtturmprojekt der Radverkehrsförderung in NRW und in Deutschland. Das Interesse an ihm ist weltweit ungebrochen. Fast täglich erreichen den Regionalverband Ruhr Anfragen zu diesem Projekt. Gemeinsam mit Vertretern der Anliegerstädte Essen und Mülheim an der Ruhr sowie des Regionalverbands Ruhr nahm die Gruppe den RS1 unter die Reifen. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass er mehr ist als ein Radschnellweg. Mit ihm eröffnen sich für die gesamte Region neue Perspektiven auch jenseits der Mobilität, z.B. bei der Stadtentwicklung. Logischerweise sprechen die Verantwortlichen mittlerweile nicht mehr von einem Infrastrukturprojekt sondern von einem Innovationsband, das in Zukunft auf 101 km zehn Städte und einen Landkreis verbinden wird.

Die zwei intensiven Tage zeigten, dass Nahmobilitätsförderung viele Facetten hat. Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt vom RS1 und den parallel laufenden Projekten. Es sind aber nicht nur „große“ Maßnahmen, die entscheidenden Einfluss auf die Bedingungen für die Nahmobilität und damit letztlich auf die Verkehrsmittelwahl haben. Eine durchdachte und umfassende Bürgerbeteiligung wie in Hamm und Telgte oder wie in Wuppertal sogar ein komplett bürgerschaftliches und ehrenamtlich gestartetes Projekt können eine enorme Wirkung entfalten.

Es „bewegt“ sich einiges in NRW. Auch Dank der Unterstützung der Kommunen durch die AGFS. Auch in Zukunft wird sie ihre Mitgliedskommunen anregen solche wegweisenden Projekte durchzuführen.

Vorne, v.l.n.r.: Thomas Semmelmann, Vorsitzender des ADFC NRW; Dr. Alexander Berger, Bürgermeister der Stadt Ahlen / Präsidiumsmitglied der AGFS; Christine Fuchs, Vorstand der AGFS; Arndt Klocke, Landtagsabgeordneter (MdL) NRW; Dr. Markus Faber, Landkreistag NRW; Mitte, v.l.n.r.: Lutz Eßrich, Wuppertal Bewegung e.V.; Peter London, Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW; Hubertus Fehring, MdL NRW; Henning Rehbaum, MdL NRW; Dieter Hilser, MdL NRW, Vorsitzender des Verkehrsausschuss; Andreas Hombach, Walter Solbach Metallbau GmbH; Ulrich Malburg, Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW; Marc Olejak, MdL NRW; Hinten, v.l.n.r.: Christopher Schrage, Referent PIRATEN-Fraktion Landtag NRW; Axel Müller, Fraktionsgeschäftsführer FDP-Fraktion Landtag NRW; Carmen Plischke, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport NRW; Andreas Becker, MdL NRW; Cora Eink, Städte- und Gemeindebund NRW